Hundenase an Babyhand

Ein Baby zieht ins „Hundehaus“

Wie reagieren die Hunde?

Als ich schwanger wurde, lebten unsere zwei Hunde bereits 9 und 10 Jahre mit uns zusammen. Sie waren quasi die „erste Geige“ und unser Leben drehte sich natürlich viel um sie.

Beruflich drehte sich bei mir ja bereits eh alles um Hunde. Das bringt mein Beruf als Hundesitter so mit sich. Und ja, das ist ein Beruf und ein Geschäftszweig, der aus Großstädten nicht mehr wegzudenken ist. Diesem Beruf gehe ich nun bereits seit 10 Jahren nach.

Wie „erklärt“ man nun seinem Hund, dass bald große Veränderungen ins Haus stehen, die auch an ihm nicht unbemerkt vorbeigehen werden?

Als Vorabinformation: wir haben zwei kleine Hunde und ich weiß, kaum ein Thema polarisiert soviel, wie die „Erziehung und das Training von Hunden“. Nimm ein Problem und frage 10 Trainer und du wirst 10 verschiedene Antworten erhalten.

Dieser Bericht hier beruht auf MEINEN Erfahrungen und ist KEIN Patentrezept.

Kind und Hund - wie wir die Zusammenführung unseres Babys mit unseren 2 kleinen Hunden gemacht haben #baby #schwangerschaft #hunde

Billy, unseren Seniorrüden, mein Seelenhund. Diesen Hund haben wir uns ganz bewusst vor über 12 Jahren ausgesucht. Er kam aus einem polnischen Tierheim und zog über eine Pflegestelle in Berlin, dann am Ende zum Glück bei uns in Hamburg ein. Er war bei der Geburt unseres Sohnes ca. 14 Jahre alt.

(M)ein Traumhund!

 

Tja und dann gibt es da noch…

Erna….. (von Piedl Erna)

meine „Arschgeige“.

Ihres Zeichens Rehpinscher und Leinenterrorist, geballte 5kg Unsicherheit, Königin der Nachbarschaft und der Schreck eines jeden Einbrechers. Besuchers leider auch….

Ach und nicht zu vergessen, sie mag Kinder – nicht! In den letzten 9 Jahren gab es mehrere, vorsichtige Versuche, die alle missglückten. Sie schnappt in die Richtung und möchte mit Kindern nichts zu tun haben.

Es liegt wohl daran, dass sie aus 2. er Hand zu uns kam. Die Vorbesitzerin hat sie aus der Zeitung gekauft und sie sich auf dem Parkplatz aus dem Auto heraus aushändigen lassen. Als echter Rassehund und total seriös. Is´ klar… Das Thema Welpenmafia hatte sich zu dem Zeitpunkt zu ihr wohl noch nicht durchgesprochen.

Nach 3 Monaten wurde festgestellt, dass so ein süßer, kleiner Hund doch mehr Arbeit macht als sie zu leisten vermag. Erna lebte damals diese 3 Monate, genau in ihrer Prägephase, mit einem Kleinkind zusammen. In dieser Zeit dürfte einiges schief gelaufen sein.

Als wir sie übernahmen, war sie 8 Monate alt.

Während der Schwangerschaft war eigentlich alles wie immer. Die Hunde kuschelten mit mir auf der Couch, wir hatten unsere Rituale. Erna ist eh anhänglich, aber in dieser Zeit war sie noch anhänglicher. Da sie nicht mehr auf meinem Bauch liegen konnte, schlief sie davor und legte ihren Kopf auf meinen wachsenden Bauch. So verbrachten wir die letzten 4 Wochen vor der Geburt. Das war wirklich schön.

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich wollte mich nicht verrückt machen, was Erna und das Baby angeht. Ich dachte mir, es wird sich schon alles fügen und irgendwie kriege ich das hin.

Zum Thema Ausdrucksverhalten und Kommunikation unter Hunden habe ich durch meinen Beruf in den letzten Jahren von diesen sehr viel lernen dürfen.

Die Zusammenführung von Kind und Hund

Unser Baby erblickte das Licht der Welt und 3 Tage später kamen wir nach Hause. Ich sprach mit meinem Mann folgendes Vorgehen ab.

Er stellt die Babyschale auf den Gartentisch und die Hunde dürfen mich erstmal begrüßen. Sie schnupperten und ich merkte schon, dass Erna aufgeregt ist.

Als sie sich etwas beruhigten, durften sie an der Babyschale und Babys Füßen schnüffeln. Wie ich mir das dachte, nahm Billy kurz Kontakt auf und dann war das für ihn erstmal ok. Baby und Hund schlafen

Erna war völlig aus dem Häuschen. Ich nahm das Baby auf den Arm, setzte mich hin und als sie sich beruhigt hatte, durfte sie vorsichtig schnüffeln. Aber sie musste auch Abstand halten. Ich traute ihr nicht.

Die erste Nacht war anstrengend für uns alle. Ich konnte mich aufgrund der Kaiserschnitt-Narbe noch nicht gut bewegen und war ja noch gar nicht auf das Baby eingestellt.

Jedes Mal, wenn der Kleine nun schrie, schoss Erna hervor und wusste nichts mit sich anzufangen. Unser Senior hörte eh schon nichts mehr, dem war es egal. Ich dachte damals noch, „oha, das wird ja was“

Zur Ruhe kommen lassen

Aber siehe da, schon nach 2 – 3 Tagen hat Erna sich an die neuen Geräusche in der Umgebung gewöhnt. Sie schlief einfach weiter, wenn das Baby schrie und entwickelte immer mehr Ruhe.

Da das Baby aber nun bei uns auf der Couch lag, wollten wir nicht mehr, dass die Hunde dort auch rumwuseln. Nach 10 Jahren mussten diese also nun von der Couch weichen. Ich glaube, es fiel uns schwerer als ihnen.

Das Ganze war gar kein Problem und sie verstanden sehr schnell.

Wir probieren, sowohl gegenüber den Hunden als auch gegenüber unseres Baby-Sohnes Ruhe auszustrahlen. Begegnet man den Dingen mit Ruhe, kommt das irgendwann zurück.

Gebt eurem Hund Zeit – Zeit, sich an die neue Situation, die neuen Geräusche und Gerüche zu gewöhnen

Lasst euren Hund teilhaben – Er darf beim wickeln dabei sein, er bekommt vom Partner Zuneigung, während der Andere mit dem Baby spielt

Seid nicht zu streng – aber konsequent

Führt klare Regeln ein – Die werdet ihr ja im Laufe der Zeit ebenso für eure Kinder aufstellen. Wenn jeder weiß, woran er ist, stellt er es nicht in Frage.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Sitzt mein Sohn auf meinen Schoß und Erna kommt unterwürfig an uns heran gerobbt, lasse ich den Kontakt zu. Sowohl zu mir als auch von ihr und dem Baby. Sie darf dann mal an seinen Fingern schnüffeln und bekommt Zuneigung.

Erna werde ich nie zu 100% vertrauen. Auch jetzt gibt es noch Situationen, von denen ich vorher weiß, dass sie dem Baby gegenüber ihre Position oder Ressource verteidigen würde. Also liegt es an MIR, diese Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Baby und Rehpinscher
Körpersprache des Hundes beachten!

Achtet auf die Körpersprache eures Hundes. Wenn ihr unsicher seid, ob ihr euren Hund richtig lesen könnt, besucht doch mal ein Seminar zur Körpersprache des Hundes. Das Thema ist so spannend und man kann vielen Mißverständnissen aus dem Weg gehen, wenn man sich gegenseitig besser versteht.

Egal wie gut ihr meint, euren Hund zu kennen, lasst diesen nie allein in einem Raum mit einem Baby oder Kleinkind zurück.

Es gibt zu viele Möglichkeiten und Situationen, in denen der Hund anders reagieren kann als ihr dachtet. Und seid ihr nicht im Raum, bekommt ihr nicht mit, was der Auslöser dafür war.

Nicht nur unsere Babys müssen geschützt werden, sondern auch der Hund im Haushalt muss von euch vor den Kindern geschützt werden. Erst recht, wenn diese anfangen zu krabbeln und zu greifen.

Ein Hund muss sich nicht alles gefallen lassen und es liegt an euch, beiden Parteien Sicherheit, Ruhe und respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln.

Wer Interesse an dem Thema Ausdrucksverhalten des Hundes oder gar noch nie davon gehört hat, dem möchte ich diesen Buch empfehlen. Jeder „Hundeanfänger“ sollte die Grundkenntnisse der Körpersprache seines Hundes kennen. Wenn ihr diese vertiefen möchtet, kann ich euch wirklich nur ein Seminar ans Herz legen. Es sind die Feinheiten, in denen ihr soviel erkennen könnt.

Buch-Tipp

Calming Signals – Beschwichtigungssignale der Hunde (Affiliate Link)

Die Zusammenführung liegt inzwischen 2 1/4 Jahre zurück und vielleicht werde ich demnächst mal eine Zusammenfassung der letzten zwei Jahre für euch schreiben.


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