Fliegen mit Kindern Mama und Baby Flugzeug

Mein Single-Flug mit Baby auf die Kanaren

Fliegen mit Kindern ist immer eine Herausforderung. In der Regel hat man den Partner, die Großeltern oder Freunde dabei. Ganz alleine mit Kindern zu fliegen, stellt uns noch vor weitere Herausforderungen.

Mein Single-Flug mit Baby

Unser Anbau-Stress hatte gerade begonnen und es waren erst wenige Tage vergangen, als meine Mutter dem ganzen Stress entflohen ist. Sie ist direkt zu Baubeginn nach Fuerteventura, auf die Kanaren geflogen.

Wir blieben mit dem Anbau zurück, dieser begann, Dreck und Lärm wurden immer heftiger und dazwischen verbrachten wir nun unsere freien Tage der Elternzeit. Traumhaft. Ausflüge konnten wir nicht machen, weil immer ein Ansprechpartner für die Handwerker da sein musste.

Mein Mann schlug plötzlich vor, ich solle doch mit dem Kleinen zu meiner Mutter fliegen und sie dort überraschen. Zuerst war das völlig abwegig für mich. Ich war überfordert mit der Idee, meinen Mann allein mit allem zu lassen, so kurzfristig alles organisieren zu müssen und dann noch dieser Flug…. Fast 5 Stunden allein mit Baby.

Immer wieder kam das Thema kurz auf und an Tag 4 schauten wir einfach mal nach einem Angebot. Und siehe da, es gab eines, sogar auf demselben Rückflug wie meine Mutter. Mein Mann ermunterte mich und wir buchten ratz fatz über Hofbauer Babyreisen. Ich schickte eine Mail, nach kurzer Zeit bekam ich die Antwort und die Reise war gebucht.

Zum Glück hatten wir ja erst kurz vorher unseren ersten Flug mit dem Kleinen nach Mallorca hinter uns gebracht und so wusste ich, worauf ich achten sollte und was mit ins Gepäck muss.

Nun kam ich aber in Bedrängnis. Kurzfristig alles nötige einkaufen, waschen, den Reisepass für das Kind suchen in all dem Umbau-Chaos und dann alleine mit Kind fliegen.

Angst.

Eigentlich wollten wir einen Vorabend-Check in vornehmen. Leider wurde das von der Fluggesellschaft nicht angeboten. Schiedde. Dennoch stellte sich Germania als sehr angenehme Fluggesellschaft heraus. Dazu gleich mehr.

Der Flug ging Samstag morgen um 7 Uhr! Das heißt, um 5 Uhr am Flughafen sein. Also um 4 Uhr das Kind geweckt, alle angezogen und los.

Am Flughafen haben wir uns schnell verabschiedet. Nun stand ich da, im Hamburger Flughafen, mit 12kg Baby vor dem Bauch, einer riesen Tasche über der Schulter und einem großen Koffer. Kurzfristig war mein Kopf leer, während ich an die hohe Decke des Flughafens starrte. Aber dann einmal sammeln, „Krönchen richten“ wie es so schön heißt und Check-In Schalter suchen.

Dort wurde ich dann zum ersten Mal überrascht. Als ich gebeten wurde, meinen riesen Koffer auf das Band zu legen und gerade versuchte, erstmal meine große Tasche abzulegen, kam ein netter Mann von hinten und stellte mir den Koffer auf das Band. Ich war total platt ob solcher Freundlichkeit.

Aufregung und Anspannung

Das ging alles so schnell, dass ich komplett vergessen habe, nach XL Sitzen zu fragen. Die waren schon auf Reisen ohne Kind Gold wert und nun erst Recht. Kurz vorher waren wir ja zu dritt auf Mallorca. Daher wusste ich zumindest, wie der Kleine einen Flug verkraftet und da wir dorthin keinerlei Probleme mit ihm hatten, habe ich mir überhaupt nur zugetraut, nun mit ihm alleine zu fliegen.

Schnell weiter zum Zoll. Es gab noch keine Schlange, ich war gleich dran. Leider musste ich den Kleinen ja nun wieder aus der Trage holen. Ergo, danach auch wieder alleine dort hinein bekommen.

Mit Baby muss man nicht im Körperscanner stehenbleiben, sondern wird per Hand durchsucht. Danach musste ich dann mit zwei Herren in einen Nebenraum. Da ich mehr als die zugelassenen 100 ml Flüssigkeit für den Kleinen dabei hatte, wurde diese auf Sprengstoff und Drogen kontrolliert. Was solls, die machen ja auch nur ihren Job und in der Vergangenheit wurde ja leider! schon einiges an Schmu mit Schwangeren, zum Transport von Drogen, getrieben.

Natürlich waren unsere Sachen in Ordnung und ich konnte mich in diesem Raum wenigstens wieder richten und den Kleinen in die Trage stecken.

Verspätung.

Nun war es allerdings erst 5.30 Uhr, also noch 1,5 Stunden bis zum Abflug. Hmpf… wir liefen also im Flughafen rauf und runter. Mit der großen Tasche über der Schulter. Alles tat weh. Dann die Durchsage, der Flug hat Verspätung, Maschine ist noch nicht da. Traaaaaumhaft. Es gibt ja nichts Schöneres, als ein Kind bei Laune zu halten. Zumal er natürlich langsam ungeduldig und hungrig wurde. Wir hatten ja noch kein Frühstück.

Das Ende vom Lied, eine komplette Stunde Verspätung. Sehr nervig. Aber dann eine gute Nachricht. Im Flugzeug fragte ich nach den XL Sitzen, die man für 30 Euro pro Strecke buchen kann. Aber die Anzahl ist begrenzt. Es gibt 6 in der ersten Reihe und 6 beim Notausgang. Dort darf man mit Kind aber nicht sitzen!

Loop Belt Babygurt Flugzeug
Loopbelt – Gurt für Baby

Die Dame schickte mich erstmal auf meinen gebuchten Sitz. WAS FÜR EIN ALPTRAUM!

Ich weiß nicht, wie Eltern es schaffen, einen Flug mit Kind auf dem Schoß zu überstehen, in den normalen, super engen Sitzreihen. Ich habe keine Ahnung, wie das hätte gehen sollen. Ganz ehrlich? Wäre es nicht! Das hätte definitiv ein Drama bei uns gegeben, weil der Kleine so sehr in seiner Bewegungsfreiheit eingeschnitten gewesen wäre.

Für mich mit 1,78 Körpergröße, sind diese Sitze schon ohne Kind schlimm, aber mit einem Kind auf dem Schoß, undenkbar.

Ich konnte mein Glück kaum fassen!

Zum Glück kam die Stewardess und teilte mir mit, dass eine Reihe XL Sitze frei ist. Ich konnte mein Glück kaum fassen! So setzen wir uns in die erste Reihe ans Fenster (natürlich gegen 30 Euro Gebühr) und zusätzlich konnten wir uns ausbreiten, da keine Person neben uns saß. Was für ein Glücksfall!

Es zeigte sich auch schnell, wieso. Der Kleine wollte nun auch unbedingt seine Milch, die er perfekt zum Start bekam und trank. Schnell schlief er ein. Dabei rutsche ich im Sitz immer etwas herunter und seine Beine hängen auch noch über meine Knie. Ohne diese Beinfreiheit hätte das schon mal nicht gepasst.

Im Gegensatz zu unserem Flug nach Mallorca, auf dem der Kleine volle 2 Stunden durch geschlafen hat, wachte er hier nach 30 Minuten wieder auf. HILFE… noch 4 Stunden Flugzeit mit einem fitten Kind.

Baby XL Sitz im Fußraum Flugzeug
sitzen im Fußraum im Flugzeug

Schon wieder Glück –

denn, Gott sei Dank konnte er sich dank der freien Sitzreihe, in den Fußraum setzen, vorne durch zur Bordküche gucken, er konnte stehen und zwischen zwei Sitzen etwas hin und her watscheln. Zwischendurch konnte er sich auf meinen Schoß stellen und mit den anderen Gästen hinter uns flirten. Sein freundliches Gemüt hilft uns immer sehr.

Nichts desto trotz war ich müde. Um 4 Uhr aufstehen, die innere Anspannung, die Kraftanstrengung und nun das Kind durch den Flug bespaßen. Auch das Wickeln auf dem kleinen Brett in der Flugzeugtoilette hat geklappt. Gott sei Dank.

Flug mit Germania

Auf dem Flug wurde uns ein warmer Snack gereicht. Ein Omelett und Brötchen, welches ich mir mit dem Kleinen teilte, dazu gab es 2x Getränke. Bucht man einen XL Sitz, kann man noch ein alkoholisches Getränk oder eine Süßigkeit wählen. Das war jedenfalls alles prima. Erst recht, wenn ich bedenke, dass meine Mutter auf ihrem Flug nach Fuerteventura mit Condor, weder Snack noch Getränk gereicht bekommen hat!

Für den Kleine bekam ich sogar noch einen Ball zum aufpusten und ein kleines Malbuch. Eine sehr nette Geste finde ich. Auch lagen beim Eintreten ins Flugzeug tatsächlich noch Zeitschriften und Zeitungen aus. Ich schnappte mir zwar eine Zeitschrift, aber kam natürlich nicht dazu, diese auch zu lesen.

Erinnerungen an Fuerteventura

Ich machte drei Kreuze, als es endlich hieß, wir landen. Nach der Landung bat ich einen Herren, mir meine große Tasche aus dem Fach zu reichen und dann hieß es, schnell raus aus dem Flugzeug. Ich war fix und fertig.

Single-Flug mit Kind – geschafft!

Nun den Koffer abholen. Erstmal steckte ich den Kleinen wieder in die Bauchtrage, um die Hände frei zu bekommen.  Im Flugzeug, als es langsam wärmer wurde, habe ich ihm schon Jacke und Pullover ausgezogen. Auch eine dünnere Hose und Strümpfe hatte ich mit, damit er aus seiner Strumpfhose heraus kam.

Nun wartete ich auf den Koffer und plötzlich sprach mich wieder ein netter Herr an. Er zeigte auf seinen ca. 16 jährigen Sohn und meinte, ich solle bescheid geben, wenn mein Koffer kommt, er hätte einen kräftigen Sohn, der hilft mir gern. Wisst ihr was? Ich hätte fast heulen können, weil die Menschen so nett waren. Ich hab mich einfach so gefreut und war ihnen so dankbar.

Koffer da, dann raus zum Schalter. Über wen hab ich denn eigentlich gebucht….? Zu welchem Schalter muss ich denn…. Ach ja! Gott sei Dank. Dort fragte mich der junge Mann, von wo ich angereist bin. Hamburg. Er: „Hallo Frau Z….“

Ich: große Augen, aber dann fiel es mir ein. Das Baby hat mich verraten! 😉 Er musste lächeln.

Genau vor der Tür wartete der Shuttelbus. Zum Glück kein altes, verostetes Auto mit einem verwegenen Fahrer. Was hatte ich schon kurz für eine Vorstellung a la Horrorfilm und „da steig ich nicht ein“. Aber Ende gut, alles gut. Eine nette Busfahrerin und als endlich alle an Bord waren, ging es los.

Zum Glück war unser Ort der Erste, der angefahren wurde. Wir fuhren ca. 45 Minuten und der Kleine wollte unbedingt raus aus der Trage. Er wurde natürlich langsam quengelig, denn er hatte ja kaum geschlafen. Dann schlief er endlich auf meinem Arm ein. Ohne Trage. Oh oh… Ich wusste ja, so wird das gleich nichts mit all dem GepäckPalmen und blauer Himmel, wenn wir aus dem Bus aussteigen müssen.

Also versuchte ich, das schlafende Kind in die Bauchtrage zu bekommen. Holla… was für ein Akt.

Das Ehepaar neben mir schaute schon immer. Bis der Herr dann ebenfalls meinte „wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, sagen Sie bitte bescheid“.  Mein Glaube an die Menschheit war wieder hergestellt!

Erst der Knoten auf dem unteren Rücken, rein in die Armschlaufen und nun das Baby in den Sack und die Füße in die Öffnungen. Puuuuuuhhh was für ein Akt, aber ich habe es geschafft! Ha!

Alles lief rund.

Im Hotel angekommen, fragte ich nach einem Zimmer auf derselben Etage wie das meiner Mutter. Der Herr an der Rezeption machte es möglich und ich bekam sogar ein Zimmer, genau daneben!!! Toller Service des SBH Costa Calma Palace!

Auf dem Zimmer sammelten wir uns erstmal. Der Kleine konnte endlich krabbeln, ich auspacken, frisch machen, durchatmen, wieder in die Bauchtrage und los ging es. Es war inzwischen nachmittags. Ich drehte eine Runde um den Pool und plötzlich sah ich die beiden. Meine Mutter und ihre Freundin.

Überraschung sowas von gelungen!

Ich stellte mich einfach vor die beiden, die Sonne im Rücken und die Reaktionen waren so unbeschreiblich. Selten kann man Personen wohl so überraschen. Die Oma freute sich natürlich extrem über ihren Enkel. Uns allen standen ein bißchen die Tränen in die Augen. Nun waren wir eeeeendlich da.

Nach all dem überlegen und nach all der Angst, ob ich das alles schaffe. Nun war ich da. Nun waren WIR da. Die erste Reise alleine mit meinem Baby, meinem Sohn, der das Ganze mit seinen 13 Monaten sooooo toll mitgemacht hat. Ich bin so unendlich stolz auf ihn.

Und dem Papa unendlich dankbar, dass er uns diese Reise ermöglicht hat!

#besterEhemannderWelt

Ich schreibe diesen Text gerade hier auf dem Hotelbett, während der Kleine neben mir schläft und ich draußen das Meer und die Wellen rauschen hören…

Baby schläft am Pool
Mittagsschlaf am Pool

Wir verbringen hier eine wunderschöne Zeit und ich bin so dankbar, dass ich das erleben darf. Drei Tage liegen noch vor uns und dann geht es gemeinsam für uns alle zurück nach Hamburg, zurück zum unserem #ProjektHausanbau

Update zum Rückflug: meine Mutter und ich wurden mit unterschiedlichen Shuttles vom Hotel zum Flughafen gebracht, da wir ja über unterschiedliche Reiseveranstalter gebucht hatten Am Flughafen haben wir uns natürlich verabredet und alle gemeinsam eingecheckt. Auf dem ganzen Flughafen waren alle Anzeigetafeln AUSGEFALLEN. Es wusste also niemand, wo er für welchen Flug einchecken soll.

Während die Damen die Koffer gehütet haben und ein einer laaaaangen Schlange standen, lief ich schnell zur Informationen und erfuhr, was ich wissen wollte. Schnell an einen anderen Schalter gehuscht, wo wir fast die Ersten waren. Wir konnten 3 zusammenhängende XL – Sitze für den Rückflug dazubuchen.

Ich konnte es schon wieder kaum fassen –

was für ein Glück!

Mit Kindern unter 16 Jahren darf man nämlich nicht am Notausgang sitzen. Dort befinden sich aber 6 von 12 möglichen XL Sitzen. Wir hatten also das Glück, 3 von den 6 verbliebenen zu ergattern. Toll! Der Rückflug lief absolut reibungslos und entspannt.

Abenteuer „Single-Reise mit Baby“. Verrückt, spontan, anstrengend, über meinen Schatten gesprungen und es hat sich gelohnt!

Berichtet mir doch gerne mal von euren Erlebnissen von Reisen mit Kind/ern?

 

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