Ängste und Sorgen – OP bei Kindern

Veröffentlicht von Mamaleben am

Eine OP bei Kindern bzw. eine Baby OP ist immer unschön und bei den eigenen Kindern, bringt sie automatisch Ängste und Sorgen mit sich.

Unser Sohn wurde direkt nach der überraschenden spontan Geburt von der Hebamme versorgt und sie sagte: „Er hat da etwas an der Zunge, bzw. unter der Zunge, das sollte sich ein Kinderarzt ansehen“.

Wir waren in dem Moment noch so in einer anderen Welt und verzaubert von dem kleinen Wesen, dass wir uns darum noch keine weiteren Gedanken machten.

Mein Mann musste nach der Geburt das Krankenhaus verlassen und durfte uns aufgrund von Corona am nächsten Tag auch nicht besuchen. So blieb ich allein mit dem Baby und der „Zubildung“ an der Zunge zurück. Wir blieben extra einen Tag länger, damit sich die Kinderärztin im Krankenhaus, den Kleinen nochmal genauer ansehen kann.

Sie war ganz hin und weg von seiner Ruhe und obwohl sie als Chirurgin tätig war, hatte sie keine Erklärung für das „Etwas“, unter seiner Zungenspitze. Es sah aus wie eine Blase oder eine kleine Aphte. Niemand konnte es genau benennen. Vor einer OP bei Kindern graut wohl jedem Elternteil.

Zwei weitere Tage später hatten wir die U2 bei unserer eigenen Kinderärztin, aber auch sie war ratlos und verwies uns an die Haut-Ambulanz eines Kinderkrankenhauses. Sie sagte, der Professor dort sei eine Koryphäe auf seinem Gebiet.

Die Ärztin, die sich am besagten Termin die Zunge zuerst anschaute, machte noch keine Aussagen und der Kleine und ich, warteten eine Stunde auf die Ankunft des Professors. Dieser war anfangs damit beschäftigt, das Teil an der Zunge des schlafenden Babys fotografieren zu wollen, was nicht wirklich gelang, aber am Ende untersuchte er das inzwischen aufgewachte und schreiende Baby, dessen Geduld auch langsam am Ende war.

Er tastete die Zunge ab und nach wenigen Minuten erklärte er mir (denn auch da musste ich aufgrund von Corona, ohne den Papa, mit dem Kind allein hin), es gäbe eine bestimmte Tumor-Art, die vielleicht, irgendwann, böse Zellen entwickeln könnte. (Ein Zungen Karzinom – er hat es vor Ort nicht so benannt, aber das stand später in seinem Bericht an unsere Kinderärztin). Er glaubt das mit den bösen Zellen nicht, aber er hätte es gern „schwarz auf weiß“ und daher rät er zu einer Operation. Das entfernte Gewebe kann dann im Labor untersucht werden.

Das „Etwas“, die Zubildung, hatte nun einen Namen, auch wenn der Professor nicht dachte, dass es das ist: ein Zungen Karzinom.

BÄM – er hat es ausgesprochen, was ich befürchtet, aber nicht erhofft hatte, um eine Baby OP kommen wir nicht herum.

Wie läuft es ab, eine

OP bei Kindern.

Das Vorgespräch hatten wir nun hinter uns und nun erhielt ich einen Termin zur OP-Besprechung mit der leitenden und operierenden Chirurgin. Dorthin habe ich meinen Mann einfach mitgenommen, denn es ging schließlich um eine Baby OP, eine Operation unseres Kindes.

Sie erklärte uns den Ablauf und schickte uns direkt weiter, zur Vorbesprechung mit einem Narkosearzt. Dieser erklärte uns dann den Ablauf über die Narkoseeinleitung und was mich am allermeisten interessierte, über das Legen des Zugangs.


Das Thema Venenpunktion bei Kindern, war mir einen eigenen Beitrag wert, denn ich habe mich nach der Operation, sehr über das Verfahren geärgert.


Nach dem Gespräch mit dem Narkosearzt, mussten wir noch etliche Formalitäten ausfüllen. Wir waren insgesamt ca. 2,5 Stunden auf dem Gelände. Zum Glück hat der Kleine mal wieder prima mitgemacht.

Tag X rückte näher und meine Sorgen wuchsen.

die Fakten vor der Baby OP

  • Das Baby darf vier Stunden vor der Operation keine Milch mehr trinken, weder Flasche noch Stillen!
  • Bis eine Stunde vor der Operation darf er noch Wasser oder gesüßten Tee erhalten (der Zucker soll beruhigend wirken)
  • bei Babys bis ca. 6 Monate, wird vor dem Zugang kein Emsa-Pflaster auf den Handrücken geklebt
  • Babys erhalte auch keinen „mir-ist-alles-egal-Saft“ vor der OP
  • Babys bekommen Glucose (Zucker) auf den Schnuller getropft
  • ca. 45 Min vor der OP muss noch Fieber gemessen werden

Erst einen Tag vor der OP haben wir die Uhrzeit der Operation erfahren, 11 Uhr. Super! Mir graute vor 8 Uhr morgens und dass ich ihn dann um 4 Uhr wecken muss, wenn er vielleicht gar nichts trinken möchte.

11 Uhr hieß, das letzte Mal Milch um 7 Uhr morgens und zum letzten Mal Tee gegen 10 Uhr.

Das Timing war auf meiner Seite. Der Kleine trank nachts um 4.30 Uhr und somit konnte ich ihn gegen 7 Uhr nochmal füttern. Er meldete sich dann erneut gegen Uhr und erhielt dann da seinen Tee. Fencheltee hatten wir einige Tage zuvor ausprobiert und es ging ganz gut. Aber erst dieses Mal erhielt er auch den Zucker darin und dadurch trank er gut. Wir mussten dann direkt los, damit ich um 9.30 Uhr zur Baby OP im Krankenhaus ankam. Er schlief im Auto und weiter bis 10.20 Uhr. Auch das passte, denn ich musste ihm nun das OP-Hemd anziehen und Fieber messen.

Wider Erwarten, schrie er trotz des langen Milch-Entzugs überhaupt nicht und ich gab alles, um ihn noch bis 11 Uhr weiter zu bespaßen und abzulenken. Bis dahin funktionierte alles wirklich richtig gut.

Ängste und Sorgen

Wie die Übergabe des Kindes in der Schleuse verlief und warum ich darüber so traurig und gleichzeitig verärgert bin, könnt ihr hier nachlesen. 

Als die Operation lief, ging ich kurz frische Luft schnappen und wartete dann, bis man mich in den Aufwachraum holte. Dort lagen bereits mehrere Kinder verschiedener Altersklassen und jeweils ein Elternteil daneben. Ich war so froh und glücklich mein Baby wieder zu sehen und doch war es ein komischer Anblick. Er lag auf der Seite, mit einer Kanüle im Mund, damit dieser noch offen bleibt und einem dicken Zugang an der kleinen Hand. Irgendwann wurde er wach und es lief ihm ein kleiner Schwall Blut aus dem Mund. Er fing bitterlich an zu weinen.

Ich musste an all die Kinder denken, die sowas öfter durchmachen müssen und an ihre Eltern und deren Sorgen. Wir hatten es nun überstanden, aber es stand immer noch der Verdacht auf ein Zungen Karzinom im Raum.

Die Schwestern gaben mir eine Unterlage und den Kleinen auf den Arm. Er schrie ca. 20 Minuten durch und das tat mir für die anderen Kinder in dem Raum, sehr leid. Ruhiges aufwachen konnte man das nicht nennen. Wir erhielten eine Spieluhr und er nochmal ein Schmerzmittel. Irgendwann schlief er auf mir ein. Ich saß ca. 2 Stunden dort. Die Chirurgin kam kurz vorbei, fragte, ob es noch blutet und erzählte mir von der OP und das sie guter Dinge ist, dass alles gutartig sein wird.

Bis dato hatte ich mir keinen Kopf darum gemacht, dass es tatsächlich etwas Bösartiges sein könnte. Mein kleines, süßes Baby. Völlig unmöglich. Und da waren sie wieder, die Gedanken an die Eltern, die genau so etwas Schlimmes erfahren.

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Nach der Operation

Als er erneut aufwachte, durften wir unser Zimmer auf der Station für eine Nacht beziehen. Es war inzwischen halb drei und ich hatte seit früh morgens nichts gegessen. Den Kleinen durfte ich endlich umziehen und er schlief direkt wieder ein. In seinem großen blau-gelben Gitterbett aus Metall. Die nette Küchenfee brachte mir Kaffee und sogar noch einen Teller Essen.

Die Nacht war kurz und hellhörig und ich sehr froh, als der Papa uns mit dem großen Bruder am nächsten Morgen, nach der Visite der Chirurgin abholen konnte.

Die untere Zungenspitze wurde mit Fäden genäht, die sich nach ca. 14 Tagen auflösen. Das Ergebnis der Laboruntersuchung erhalten wir in den nächsten Tagen.

Nun heißt es Daumen drücken, dass sich der, wenn auch nur sehr kleine Verdacht, auf ein Zungen Karzinom, NICHT bestätigt.

Wir denken gar nicht richtig drüber nach, schieben es weg. Und doch bleiben sie die ganze Zeit, die Gedanken an die Kinder und Eltern, die kein gutes Ergebnis erhielten oder wochenlang im Krankenhaus behandelt werden müssen. Meine Gedanken sind bei euch!

Bitte drückt uns die Daumen <3 (Das Daumen drücken hat sich gelohnt, wir haben inzwischen ein für uns sehr positives Ergebnis erhalten!)

Und falls ihr eure Geschichte teilen mögt, wie ihr eine Operation eures Kindes oder einen Krankenhausaufenthalt empfunden habt, was ihr gut fandet und was nicht, schreibt es gern in die Kommentare!


4 Kommentare

Franzi · 20. August 2020 um 8:09

Jede OP birgt immer ein Risiko – ich würde und hab niemals mein Kind alleine da hingeschickt – vertrauen in die Ärzte Ja das habe ich – trotzdem braucht es doch eine vertraute Person. Ich war immer da und hab bei jeder OP gewartet und ich war jedesmal ängstlich…. ich hätte nicht daheim sitzen können und mit denken – ok jetzt wird er operiert …

    Mamaleben · 20. August 2020 um 8:19

    Hallo Franzi, kein Kind wird allein dahin geschickt. Die Kinder werden bis in die Schleuse begleitet. Aber eben nur bis dorthin und dann muss man sie an die Ärzte übergeben. Ab Kleinkind-Alter erhalten die Kinder vor den Saft zur Beruhigung, aber sie sind natürlich trotzdem noch ansprechbar. Babys erhalten vorher gar nichts. Mir hat es sehr missfallen, mein Baby wach abgeben zu müssen und vor allem, nicht beim Zugang legen dabei sein zu dürfen. Nun ist es überstanden, aber in der Zukunft würde ich Dinge anders handhaben.

Anna · 4. August 2020 um 10:29

Ops bei Kindern sind doch eigentlich etwas positives. Den Kleinen kann schon direkt nach der Geburt geholfen werden
Wir sollten froh sein, dass es die Möglichkeiten gibt. Dass es Op-Werkzeug in den Größen gibt und nicht nur Erwachsene operiert werden können. Natürlich ist es im ersten Moment schwierig, wenn das gesagt wird, dass das Kind in den Op muss. Für die Kinder ist das okay. Du hast im Moment kein vom Leben bedrohtes Kind. Ich verstehe die Dramen nicht. Ich habe mein Kind nie begleitet sondern es wurde morgens auf der Intensiv abgeholt, da bin ich nicht extra für hin. Wofür auch? Und abends durfte ich es wieder auf der Intensiv besuchen. Da hat es viel geschlafen. Etwas Vertrauen muss man dann schon in die Ärzte haben. Und Zugänge legen…. es gibt Kinder die haben die kompletten Füsse, Hände und den Kopf zerstochen bzw. vernarbt. Und dafür werden sie heute im Kindergartenalter bei Arztbesuchen bewundert wie tapfer sie sich heute Blut abnehmen u Zugänge legen lassen. Man wächst in alles hinein. Man hat ja auch immer die Altetnative nichts zu tun…….und abwarten . Kann ja auch gut ausgehen oder bei schwerkranken Kindern halt tödlich….da ist doch eine Op das kleinere Übel!

    Mamaleben · 4. August 2020 um 11:58

    Hallo Anna, vielen Dank für deine Rückmeldung. Es tut mir leid, dass du und dein Kind wohl eine harte Geschichte hinter euch habt. Ich hoffe, sie liegt hinter euch.

    Ich sehe die Dinge etwas anders, aber unterschiedliche Ansichten sind in Ordnung. Es gibt ja auch Menschen, die sind empathischer als andere.

    Die MÖGLICHKEIT einer OP ist etwas Gutes, die OP selbst eher nicht. Ich bin sehr froh, dass heutzutage selbst Kinder mit 400 Gramm Geburtsgewicht eine Chance haben. Es geht hier aber nicht um unser (Gott sei Dank) sehr gutes Gesundheitssystem. Und ich weiß nicht, ob du den Kommentar unter dem Artikel über den Zugang legen, gelesen hattest, denn für DAS Kind war es ganz sicher NICHT ok. Ich weiß nicht, wie du zu so einer pauschalen Aussage kommst.

    Du sprichst quasi jeder Mutter das Recht ab, sich sorgen zu dürfen, nur weil sie kein vom – du meintest sicher – Tod bedrohtes Kind hat. Ich habe nie die OP selbst in Frage gestellt, aber Sorgen machen dürfen wir uns alle, auch wenn es nur Lappalien sind. Sonst dürfte sich ja am Ende niemand sorgen, da es immer jemanden gibt, dem es schlechter geht als dem davor. Und ich weiß nicht, wo du hier Dramen liest?

    Man kann Vertrauen in die Ärzte haben und sein Kind dennoch begleiten wollen. Ich glaube, das viele Eltern auf dem Zahnfleisch gehen, wenn sie ihr krankes Kind über Wochen oder Monate im Krankenhaus begleiten und es ist absolut verständlich, wenn sie davon eine Pause benötigen. Wir sind alle nur Menschen. Wir müssen es aber den Müttern, die das gerne täglich leisten möchten, auch zugestehen.

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