Geburtsbericht – Spontan Geburt nach Kaiserschnitt

Veröffentlicht von Mamaleben am

Vor einem Jahr hätte ich mir nicht träumen lassen, je einen weiteren Geburtsbericht verfassen zu dürfen. Erst recht nicht, einen Geburtsbericht über eine Spontan Geburt nach Kaiserschnitt.

Manchmal kommt alles anders, als man denkt….

Angefangen damit, dass ich mich im letzten Frühjahr so langsam versuchte, vom Kinderwunsch zu verabschieden. Dann im Sommer die große Überraschung, nochmal schwanger geworden sein, im Alter von 43 Jahren.

Nun sitze ich hier, mein zweites, kleines Wunder ist nun seit 9 Tagen bei uns und schläft seelig auf meiner Brust. Nach und nach gehe ich diese Spontan Geburt nach Kaiserschnitt nochmal durch und auch als Erinnerung für mich, verfasse ich nun diesen, meinen Geburtsbericht.

Die ganze Schwangerschaft über, war mein Bauch sehr hart. Ganz anders, als bei meinem Großen damals. Ich kann nicht erklären wieso, aber ich hatte das Gefühl, dieses Baby könnte vielleicht eher kommen. Aber ich sagte mir auch, dass hier der Wunsch Vater des Gedanken war.

Die Jungs hatten ja beide, haargenau den Gleichen Entbindungstermin, nur mit 4 Jahren Unterschied. Das stresste mich ja schon ein wenig, wollte ich doch unbedingt am Geburtstag des Großen anwesend sein.

Geburt nach Kaiserschnitt

Mein erster Sohn war ein Wunsch-Kaiserschnitt. Damals war ich völlig klar mit der Entscheidung und habe sie auch nie bereut. Dieses Mal hinterfragte ich es allerdings und war mir lange unsicher, wie es laufen soll. Durch verschiedene Aspekte war meine Schwangerschaft ziemlich überschattet. Ich musste dreimal Antibiotika zu mir nehmen und war eine Zeit fast freudlos, obwohl ich dieses Wunder in mir trug.

Bei der Anmeldung im Krankenhaus in SSW 36, sagte die Oberärztin zu mir, meine alte Sectio-Narbe sei ein wenig dünn. Eine Spontan Geburt wäre möglich, dann müsste ich nochmal zur Narben Kontrolle kommen. Sollte ich jedoch einen Termin für eine erneute Sectio wünschen, würde sie damit konform gehen. Wir machten daher einen Termin aus, nämlich genau einen Tag NACH dem Geburtstag meines Großen, vier Tage vor meinem errechneten Entbindungstermin.

Am Montag sollte der Kaiserschnitt stattfinden und am Freitag davor, war ich zur OP-Vorbereitung ins Krankenhaus bestellt. Für alle Gespräche und Abschlussuntersuchungen.

Nun kam Corona  Mein #geburtsbericht - #geburt nach #kaiserschnitt - #entbindung #baby #mama

Wir hatten Ende März 2020 und steckten nun schwanger, Mitten in der „Corona-Krise“. Ich war erkältet, aber mit Atemwegserkrankungen darf man das Krankenhaus nicht betreten. Ich rief Donnerstag dort an und wurde direkt zum Corona-Test vor das Krankenhaus bestellt. Abstrich aus beiden Nasenlöchern und dem Rachen. Soweit so gut, nun hieß es abwarten.

Bereits einen Abend davor, am Mittwoch Abend, hatte ich vier Stunden lang Wehen in regelmäßigen Abständen. Dieses neue Gefühl musste ich erstmal einschätzen, aber da es im Unterleib und im Rücken zog und so regelmäßig kam und ging, war mir bewusst, es sind Wehen. Sie waren gut zu ertragen und ich harrte der Dinge. Nach vier Stunden, um halb elf Uhr abends, waren sie vorbei und ich konnte die Nacht normal (schlecht) schlafen.

Donnerstag Mittag dann der

Corona Test.

Nachmittags stellte ich auf Toilette fest, dass der Schleimpropf sich löste. OH OH. Aber auch hier wusste ich, dass es nicht sofort etwas bedeuten muss, sondern sich sogar noch Tage ziehen kann.

Nun rechnete ich allerdings durch, FALLS es losgeht, möchte ich keinen Kaiserschnitt mehr, denn dann wäre ich nie am Sonntag, zum 4. Geburtstag meines Sohnes, wieder zu Hause.

Ich ging ins Bett und um 21 Uhr kam die Wehen zurück. Dieses Mal durchaus schon etwas stärker, aber noch ok. Ich erinnerte mich an den einen oder anderen Geburtsbericht, in dem Frauen die ganze Nacht Wehen haben, noch duschen gehen, morgens den Papa wecken und zum Krankenhaus fahren. Also dachte ich, mal sehen ob ich die Nacht noch aushalte.

Mit jeder Wehe musste ich übrigens zur Toilette und mich entleeren. Da wusste ich, der Körper macht sich bereit, das wird ernst. Falls ihr euch also Gedanken macht, wie läuft das beim Pressen mit unseren Körperflüssigkeiten… das Meiste scheidet euer Körper bereits vorher aus, er sorgt schon dafür.

Eine Stunde später sah die Welt schon anders aus…um 22 Uhr sagte ich zu meinem Mann, er solle sich lieber wieder anziehen und bitte mal bezüglich meines Corona-Testergebnisses, im Krankenhaus anrufen.

Gesagt, getan, zum Glück Corona negativ!

Wir informierten die Oma, die unter uns wohnt, dass sie rauf kommt. Unser Sohn schlummerte friedlich und hat von allem nichts mitbekommen.

Wir waren gegen 23 Uhr im Krankenhaus und wurden in ein kleines Zimmer geführt. Die Wehen waren schon sehr stark und ich musste sie veratmen. Da saßen wir nun und fragten uns, wie lange wir jetzt da bleiben sollen? 10 Stunden auf diesem Zimmer? Die Hebamme checkte den Muttermund, der bei 1 cm war, mit den Worten: „DAS dauert noch….“. AHA.

Eine PDA wird bei 3-4 cm Muttermund gelegt.

Die Ärztin machte noch ein Ultraschall und schätzte das Baby auf ca. 3.200 Gramm. Sie checkte die alte Narbe und sagte, sei sei ok und wenn ich möchte, könnten wir eine Spontan Geburt nach Kaiserschnitt versuchen.

Wie gesagt, ich wollte unbedingt schnell wieder nach Hause zu meinem Sohn, also JA. Zumal Geschwisterkinder aufgrund Corona auch kein Besuchsrecht im Krankenhaus hatten.

Zurück im Zimmer legte ich mich ins Bett und die Wehen wurden immer stärker.

Geburtsbericht

Bei jeder Wehe musste ich mich inzwischen so konzentrieren, dass ich kaum noch etwas wahr nahm und tönte ziemlich laut. Ich wusste nicht mehr wie ich liegen soll, sitzen wollte ich auch nicht. Die Wehen katapultierten mich in eine andere Welt.

PLATSCH….plötzlich war die Fruchtblase geplatzt. Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht! Die Hebamme kam und half mir aus den nassen Sachen und deckte mich zu. Sie tastete nochmal und OH, Muttermund bei 5 cm in nur einer Stunde? Das ging ja schnell. Sie war überrascht und informierte endlich die Anästhesie Ärzte für die PDA.

Sie und mein Mann wollten mich nun in den Kreißsaal nach nebenan bringen, aber ich brachte keinen Fuß mehr vor den anderen. Also rauf auf den Stuhl auf Rollen, rüber und rauf auf dieses runde Gebärbett.

Ich klammerte mich an meinen Mann und nahm nichts mehr wahr. Irgendwann waren zwei Ärzte im Zimmer. Die Frau sprach dermaßen langsam, dass es kaum zu ertragen war. In aller Ruhe wartete sie immer die Wehe ab, um mich über die Risiken aufzuklären. Am liebsten hätte ich sie am Kragen ran gezogen. Irgendwann hielt sie mir das Formular zur Unterschrift hin. Was sein muss, muss sein… pfff

Ständig dachte ich, wann kommt endlich die Spritze? Ich war der Meinung, es gibt einfach eine Spritze in den Rücken. Aber dem ist ja gar nicht so. Es wird ein hauchdünner Katheter in den Rücken eingeführt, über den immer wieder nachgespritzt werden kann. Man fühlt ihn auch nicht.

Der überflüssige PDA Katheter

Nun sagten sie: „Wir üben jetzt das Sitzen“. Ich dachte, ich spinne und höre nicht richtig. Bei jeder Wehe schrie ich wohl inzwischen die halbe Station zusammen. Ok, einmal sitzen geübt, aber glaubt mir, an sitzen war nicht mehr lange zu denken. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich muss dermaßen auf Toilette, sonst mach ich hier gleich auf den Tisch.

Ich hörte, wie mein Mann fragte, wie lange das Ganze jetzt dauert, bis es wirkt. Die Antwort:

15 Minuten. 15 Minuten… ich konnte innerlich nur lachen und dachte, wollt ihr mich veräppeln?? JETZT kam nämlich erst eine „Test Dosis“, bevor die eigentliche Dosis gesetzt wird.

Wie ich im nachhinein von meinem Mann erfahren hatte, war die Hebamme die ganze Zeit gar nicht anwesend. Keine Ahnung wieso, da ich der Meinung war, wir waren allein auf der Station in dieser Nacht.

Die Hebamme kam wohl rein und sah, wie die Ärzte gerade die Test Dosis ansetzen. Sie sah mich, die ja gerade schrie: „ICH KANN NICHT MEHR SITZEN“.

Die Hebamme sagte, die PDA hat jetzt keinen Zweck mehr und endlich durfte ich mich hinlegen. Sie rollten mich auf die linke Seite und ich sollte mein Bein selbst festhalten. Ich konnte mich kaum konzentrieren.

Die Spontan Geburt – es war knapp

Dieses Gefühl, dass ich auf Toilette muss, waren bereits die Presswehen. Das wusste ich nicht und konnte sie nicht einordnen.

Nun hieß es plötzlich schon: “ PRESSEN“. Gefühlt, tat sich gar nichts. Es fühlte sich an, als wäre da eine Öffnung für einen Minigolf-Ball und da soll jetzt ein Baby durch? Irgendwie muss es ja passen…

Ich kann es nicht mehr genau sagen. Ich presste zwei oder dreimal, es tat sich nichts. Ich musste zurück auf den Rücken und wieder pressen. Irgendwie tat sich nichts.

Ich hörte die Ärztin nun sagen: „Es tut mir leid, aber wir müssen jetzt helfen. Die Herztöne ihres Kindes gehen runter.“  Dann kam der Dammschnitt. Ich fühlte, wie etwas warmes an mir herunterlief, aber Schmerzen hat man in dem Moment nicht.

Wie ich im nachhinein wieder von meinem Mann erfuhr, lag ich bereits in einer Blutlache. Wahrscheinlich sah es schlimmer aus als es war, weil sich das Blut mit dem Fruchtwasser mischte und dadurch ziemlich nach Schlachtfeld aussah.

Die Herztöne sanken

Ich hörte erneut die Ärztin: „Frau Z., ihr Baby MUSS mit der nächsten Wehe auf die Welt kommen, die Herztöne liegen bei 60.“

Den Ernst in ihrer Stimme nahm ich wahr und presste nochmal, was das Zeug hält. Plötzlich machte es „flutsch“, und ein Schwall kam aus mir raus. Es fühlte sich an wie das ganze Baby, aber es war nur der Kopf. Erleichterung. Und Ärztin und Hebamme voll mit blutigem Fruchtwasser. Laut meines Mannes, waren sie beide überrascht.

Nun noch einmal pressen und endlich hörte ich seinen Schrei. Erleichterung, aufatmen, durchatmen, wieder zu Sinnen kommen und langsam zurück in der Welt ankommen.

Mein #geburtsbericht - #geburt nach #kaiserschnitt - #entbindung #baby #mamaNun lag er da, auf meiner Brust und ich konnte es nicht glauben. Wir waren um 23 Uhr im Krankenhaus und ich habe nachts um 2.04 Uhr meinen Sohn geboren. Völlig überraschend, spontan Geburt nach Kaiserschnitt, eine Woche vor ET, 2 Tage vor dem Geburtstag meines ersten Sohnes und 3 Tage vor dem angesetzten Sectio Termin.

Mein kleiner Kämpfer hat entschieden und ich freue mich so sehr über seine Entscheidung.

Geburtsverletzungen

Das Bett wurde umgebaut, damit das Nähen beginnen konnte. Das empfand ich als unangenehm, weil alles so empfindlich war. Es gab zwei Nähte, den Schnitt und noch einen Riss. Dazu hatte ich noch eine Schürfwunde.

Ich machte drei Kreuze, als das Nähen beendet wurde, die Ärztin aus dem Raum war und Ruhe einkehrte. Ich schickte meinen Mann kurz vor 4 Uhr morgens nach Hause, sodass er da ist, wenn unser großer Sohn aufwacht.

Um 4 Uhr wurde ich auf das Zimmer geschoben, war aufgekratzt von dem Erlebten und döste berauscht, für zwei Stunden neben meinem wundervollen Baby.

Obwohl ich in das Gesicht meines Sohnes schaue, kann ich immer noch nicht glauben, dass ich nun zwei Söhne habe und dieser Geburtsbericht, tatsächlich meiner ist.


5 Kommentare

Steffi · 3. August 2020 um 12:38

Ein sehr schöner Geburtsbericht. Bei meiner kleinen Maus sind die Herztöne zu stark runter gegangen, dass sie kurz vor der normalen Geburt doch noch einen KS gemacht haben.

Aber das Gefühl man müsse auf Toilette, kenn ich gut. Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass das die Presswehen sein könnten.

Dann hätten sie mich auch noch die normale Geburt machen lassen können 🙈🙈

Geboren wurde meine Maus im April 2020. Mein Mann durfte wg Corona Zeit nicht dabei sein….

Ich hoffe, beim nächsten Kind wird alles besser und wir schaffen es komplett auf natürlichen Wege.

Vg Steffi

    Mamaleben · 3. August 2020 um 15:47

    Hallihallo, dass dein Mann nicht bei der Geburt dabei sein durfte, tut mir sehr leid. Es muss wirklich hart sein, da allein durch zu müssen. Toll, dass du es geschafft hast und eure Tochter gesund ist!

Sandra Semmelroggen · 28. Mai 2020 um 17:17

Ich freue mich riesig für Euch! Ein kleines Wunder… ich bin auch mit 40 Mutter geworden. Ich hatte eine tolle Schwangerschaft. Jetzt mit bald 42 hoffe ich insgeheim auf ein zweites kleines Wunder ❤️ Bleibt gesund und fröhlich alles Liebe Eure Sandra

Matthias · 6. April 2020 um 13:21

Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und möchte ganz herzlich gratulieren. Ich schaue immer mal wieder auf Deiner Seite vorbei und es tut gut, gerade jetzt in dieser schweren Zeit etwas so wundervolles zu lesen. Viele Grüße und bleibt gesund

Mia · 6. April 2020 um 1:39

Liebe MamaLeben-Heldin,

eine angenehme Kuschelzeit mit Ihrem Baby und Ihren weiteren Liebsten wünsche ich Ihnen. Sie haben Großes geleistet, eine gute Erholung und alles Liebe wünsche ich Ihnen.

Mia
(auch Mama und fasziniert von der Welt der Mutterschaft)

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