Noch ein Stempel? „gefühlsstarkes Kind“ wilder – sensibler

Veröffentlicht von Mamaleben am

Ehrlich gesagt, habe ich den Ausdruck „gefühlsstarkes Kind“, bis vor kurzem noch nie gehört. Aber seit über einem Jahr habe ich bereits ein Buch hier liegen, welches ich euch separat vorstelle.

Man kann trauriger Weise sagen, ich lese sehr selten ein Buch. Mir fehlen schlicht die Ruhe und die Zeit, obwohl ich dies gern ändern möchte.

Besagtes Buch habe ich gekauft, als der Zwerg gute zwei Jahre alt war und im Sommer 2018 eine starke Phase a la: „Du bist böse“, hatte. Das Jahr war sehr anstrengend, vor allem für den Papa, den diese Aussagen oft und am stärksten getroffen haben.

Mit dem 3. Geburtstag im Frühjahr diesen Jahres, haben wir den Kleinen aus der Kita genommen und er blieb die letzten Monate bei mir zuhause. Diese nicht so nette „Phase“ war damit auch vorbei. Woran es nun lag, sei dahingestellt.

Gefühlsstarkes Kind und/oder doch „nur“ hochsensibel?

Jede Mutter denkt sicher mal, ihr Kind sei besonders, vielleicht auch irgendwie anders als andere. Das ist ja ganz normal und ich tue mir schwer damit, meinem Kind einen Stempel zu verpassen. Ich gehe nicht damit hausieren, sehe mich selbst aber als hochsensibel.

Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal davon hörte, erkannte ich mich mit vielen Eigenschaften sofort wieder. Eine Kundin schrieb ein wundervolles Buch dazu „Hochsensibel durch den Tag“*.

„Anders“ habe ich mich schon immer gefühlt, aber ich hatte nie eine Erklärung. Wen dieses Thema interessiert, der kann sich auf dem Blog „Zartbesaitet“ mehr Informationen anlesen und auch einen Test absolvieren. Ich hatte in dem Test 233 Punkte und wurde in meiner Annahme bestätigt.

Wieso spreche ich jetzt von hochsensibel, wenn es doch um gefühlsstarke Kinder geht? Ganz einfach. Ich nahm schon sehr früh an, dass mein Sohn ebenfalls hochsensibel sein könnte. Er war schon als Säugling so empfindsam (aber sind sie das nicht alle?), als Kleinkind sensibel, ein schlechter Schläfer, der immer bei mir sein wollte, reagierte auf bestimmte Kleidung, Gerüche, Gefühle einfach „mehr“.

Aber ich sagte mir auch oft:„Es ist ein Kind, das ist alles ganz normal“. Jedes Kind hat seine Gefühlsausbrüche oder Eigenheiten. In der Krippe war er eher in sich gekehrt, ein Einzelgänger. Aber mit 2 Jahren suchen die Kinder auch noch nicht so den Kontakt zu anderen, oder? Er ging nie gerne in die Krippe, es war im alles zu laut und zu wild und ich konnte das so gut nachvollziehen. Ich war traurig, denn ich hatte mir so sehr gewünscht, dass er gerne hingeht.

Wild und doch so sensibel

Unser Sohn wurde im Frühjahr 3 Jahre alt und verbrachte das letzte halbe Jahr mit mir zuhause. Inzwischen ist er also 3,5 Jahre alt und hat in diesem halben Jahr einen großen Schub gemacht.

Irgendwie wild war er schon immer, aber auch hier dachte ich:„Hey, es ist ein Kind, sind sie nicht alle wild?“

Ich wurde SO OFT in Supermärkten oder anderswo auf ihn angesprochen. Meist mit einem Lächeln, aber immer nach dem Motto:„Na, mit dem Wissen sie aber abends auch was sie getan haben, oder?“

Ging ich früher so gerne mit ihm einkaufen, ist es jetzt häufig, der pure Stress. Er rennt durch die Märkte wie Flash (der Held) und lässt sich nicht bremsen. In Baumärkten verschwindet er regelmäßig und ich finde ihn ein paar Gänge weiter, im Gespräch mit fremden Leuten. Dasselbe oft im Supermarkt. Beim Tierarzt rollt er sich in der Mitte des Wartezimmers halb auf dem Boden herum, egal wo wir sind, er zieht alles auf sich. Zum Glück meist mit einem Lächeln, aber wenn das Hulk-Brüllen dazu kommt, kann ich eine gewisse Scham nicht leugnen.

Aber hey, es ist nur ein Kind, oder? Und gelten Jungs nicht sowieso als wild? Ob das stimmt, sei mal dahingestellt.

Dem gegenüber steht die enorme Sensibilität, die mich immer wieder aus der Fassung bringt. Seine feinen Antennen, sein Auge für Details und das Mitgefühl. Nach 3,5 Jahren benötigt er mich immer noch an seiner Seite zum Einschlafen, er sucht die Nähe, die Geborgenheit.

Er fragt mich: „Mama, warum guckst du so traurig?“ oder „Mama, ich habe mir Sorgen um dich gemacht“ (er war nur im anderen Zimmer!)

Es gibt Situationen, da überkommt ihn plötzlich eine tiefe Traurigkeit und er muss heftig weinen. Wenn er an unseren verstorbenen Hund denkt, ist das nachvollziehbar. Wenn ein Spielzeug einen kleinen Riss bekommt auch?

Gefühlsstark oder Eigenheiten?

Es ist normal, jedes Kind hat seine Eigenheiten. Es ist ja schließlich ein Individuum, eine eigene Persönlichkeit. Also dachte ich mir noch nicht so viel dabei, als mein Baby mit 4 Monaten seine Milch künftig nur bei Zimmertemperatur trank. Das Badewasser darf nicht heißer als 35-36 Grad sein, ansonsten entsteht ein Drama. Haare waschen? Kaum daran zu denken.

Zähneputzen an sich ist kein Problem, aber der Geschmack der Zahnpasta lässt ihn toben. Auch ein Wechsel und durchprobieren verschiedener Sorten brachte nicht wirklich Erfolg. Es hilft, nur sehr wenig zu benutzen. Eine Lösung zu finden, nicht mit Gewalt etwas durchzusetzen.

Gerüche sind für ihn kaum zu ertragen, seine Socken müssen wir öfter wechseln, weil etwas drückt. Jeans oder enge Kleidung funktioniert nur an manchen Tagen.

Alles normal, oder? Seine Haare darf ich nur noch mit der Baby-Bürste bürsten, alles andere – ein Drama. Und mit Drama, meine ich DRAMA! Er hat eine dicke Klette in den Haaren, die ich nur herausbekomme, wenn er schläft. Ich denke:„Stell dich doch bitte nicht so an“, aber ein Kleinkind versteht mein Unverständnis nicht. Wie soll er auch.

Ist ihm eine Situation zu viel, schlägt seine Stimmung schlagartig um. Erst kürzlich bei einem Besuch auf einem Event, ist mir dies wieder so richtig bewusst geworden. Der Papa hatte jegliche Freude an dem Ausflug verloren, die Stimmung kippte, wir gingen. Aber mir tat das alles auch leid. Mir ist bewusst, dass unser Sohn sich nicht dafür entscheidet, jetzt „so zu sein“, sondern er kann gerade nicht anders. Es gibt einen Grund für sein Verhalten. Er ist nicht „bockig“, er ist gestresst.

Drama Baby, Drama…

Kürzlich im recht lauten, vollen und stickigen Spielhaus wollte er lieber nach draußen. SOFORT! Schlechte Luft, gepaart mit Lautstärke, kaum zu ertragen. Für meine Begleitung mit Baby war das doof, dieses immer an- und ausziehen zu müssen. Aber ich erkannte schon an der Art, WIE er etwas sagt, dass ich handeln muss. Gehen wir nicht gleich raus, endet es im Drama. Das hat für mich nichts mit „den Willen zu bekommen“ zu tun, sondern mit Stress, der in dem Moment im Kind entsteht. Er wollte uns nicht ärgern, er wollte an die frische Luft. Zum Glück spricht er gut und kann mir meist erklären, was los ist.

Draußen, an der frischen Luft, war sofort alles wieder prima. Er rannte wie immer, wild auf eine Gruppe älterer Jungs zu und ließ sich von ihnen nicht abschrecken. Auch hier musste ich wieder tief durchatmen und beobachtete die Situation.

"Mein Kind ist irgendwie so anders" - falls ihr das auch häufig denkt, ist das hier eine Möglichkeit. Mir ging zumindest ein Licht auf! #besonderekinder #gefühlsstark #spirited #sensibel #wild #mamaleben #kleinkind #baby #kindergarten #lebenmitkind #noraimlau

Das Verhalten auf dem besagten Fest oben und noch ein paar weitere, eskalierende Situationen hier zu Hause, geprägt von einem schrillen Sirenen-Schrei, das im brüllenden Weinen endet oder mit Dingen um sich werfen, ließen mich am Sonntag endlich zu diesem Buch greifen.

Nicht eine „Eigenheit“ allein brachte mich dazu.

Nicht seine wilde Seite, nicht seine (Hoch)Sensibilität, nicht seine tiefen Emotionen oder vermeintlichen „Merkwürdigkeiten“. Sondern rückblickend, alle Eigenschaften zusammen.

Gefühlsstarke Kinder

Alle Punkte zusammengenommen, ließen mich dann doch mal darüber nachdenken, dass mein Kind irgendwie anders sein könnte.

An diesem Sonntag, mit diesem Buch in der Hand, ging mir ein Licht auf. Schon nach den ersten Seiten kamen mir die Tränen, weil ich uns bzw. ihn, so wiedererkannte. Ich konnte es kaum glauben.

Endlich. Eine Lösung? Zumindest eine Erklärung!

Es mag immer Menschen geben, die solche Eigenschaften oder Bezeichnungen anzweifeln und immer zu allem ihre eigene Meinung haben und nichts anderes zulassen. Aber wisst ihr was? Das sagt mehr über sie, als über mich/uns aus!

Was mir an diesem Buch so gefällt und geholfen hat, lest ihr hier. Hier wird diese Bezeichnung übrigens mit Studien untermauert.


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