Unsere Geschichte – Diagnose Hodenkrebs

Veröffentlicht von Mamaleben am

Dies ist wieder ein sehr persönlicher Beitrag, denn es geht um unsere eigene Geschichte und die Diagnose Hodenkrebs meines Mannes im Jahr 2004.

Wir gehen einige Jahre zurück, mein Mann und ich waren damals gerade ein Dreivierteljahr zusammen.

Ich weiß noch wie heute, es war Donnerstag, der 1. April.

Mein Mann hatte morgens eine Unregelmäßigkeit, eine Art Knubbel gefühlt. So wie wir Frauen unsere Brüste nach Knoten abtasten, um einen eventuellen Brustkrebs frühzeitig zu erkennen, sollten Männer das bei sich ebenso tun.

Gott sei Dank, hat mein Mann ihn gefühlt und nach einem Anruf beim Urologen, unverzüglich, also wirklich sofort, einen Termin erhalten. Er zog sich an und fuhr los. Wir wollten gemeinsam frühstücken, wenn er vom Arzt zurück ist und ich war sicher, er übertreibt.

Mein Mann kam zurück, schaute durch die Tür und sagte:

„Verdacht auf Hodenkrebs“.

Ihr erinnert euch, es war der erste April und meine Antwort war: „Jaja, April, April. Damit macht man keine Scherze.“

Er: „Das ist kein Scherz.“

Mir fiel alles aus dem Gesicht und wir mussten uns erstmal ordnen. Hodenkrebs, ist der heilbar? Wir wussten es nicht, wir wussten noch gar nichts.

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Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt und sein 26.er Geburtstag war 9 Tage später. Wir hatten zu dem Zeitpunkt beide noch keinen Kontakt zum Thema Krebs. Niemand aus unserem direkten Umfeld war an so etwas erkrankt.

Mein Mann hatte vom Urologen direkt die Einweisung ins Bundeswehr Krankenhaus Hamburg erhalten. Wir wunderten uns, denn er hatte nichts mit der Bundeswehr zu tun, aber die Urologie hat einen sehr guten Ruf und eine eigene Abteilung für die Kryokonservierung.

Er sollte noch am selben Tag dort vorstellig werden!

Gefasst rief er seinen Arbeitgeber an, um diesen über einen eventuellen Ausfall zu informieren. Während des Telefonats hat es ihn dann doch kurz „übermannt“, denn etwas laut auszusprechen, macht es realer.

Wir fuhren direkt los zum Krankenhaus und verbrachten dort Stunden. Es wurden einige Tests gemacht, Gespräche geführt und noch für den nächsten Tag, die Operation angesetzt.

Wollen Sie Kinder zeugen?

Es war klar, dass ein Hoden entfernt werden muss. Noch während der Operation wird das entfernte Gewebe untersucht. Fällt es sehr negativ aus, muss im schlimmsten Fall, auch der zweite Hoden entfernt werden. Das kommt sehr selten vor, allerdings muss der Mann in so einem Fall, sein Leben lang Hormone einnehmen und wird unfruchtbar.

Wir/er wurde gefragt, ob er Kinder zeugen möchte. Wir waren nicht lang zusammen und hatten beide zu dem Zeitpunkt keine Gedanken an Kinder verschwendet.

Ich war so weit von Kindern weg, wie es nur irgendwie geht. Es ist aber eine Sache, keine Kinder haben zu wollen und eine andere, zu wissen, nie welche haben zu können!

Um das vorweg zu sagen, man(n) kann nach der Diagnose Hodenkrebs TROTZDEM Kinder zeugen! Aber es gibt immer Dinge, die etwas anders laufen lassen als gedacht und dann ist es vielleicht doch nicht mehr möglich.

Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit der

Kryokonservierung (Einfrieren) der Spermien.

Wir entschieden uns dafür und uns wurden die Kosten erklärt. Ich glaube, wir entschieden uns, die Spermien für drei Jahre einfrieren zu lassen. Da der Geburtstag meines Mannes bevorstand, wünschten wir uns von Freunden und Familie Geld für die Kryokonservierung. Lasst mich nicht lügen, ich glaube, die Kosten beliefen sich damals auf ca. 300,- Euro.

Mein Mann musste also an dem Tag noch ran und seine Schwimmer fürs Labor abgeben.

Vor der Operation wurde er außerdem gefragt, ob er ein Implantat im (bald leeren) Hodensack gesetzt haben möchte. Das fanden wir beide albern und unnötig.

Liebe Männer und auch Frauen: man sieht keinen Unterschied. In einer intakten Beziehung halte ich das für unnötig. Single-Männer sehen das vielleicht etwas anders. Im Endeffekt muss jeder Mann diese Entscheidung für sich allein treffen. Aus Frauensicht kann ich euch sagen, es gibt absolut keinen Grund für ein Implantat!

Es wurde ein kleiner Schnitt oberhalb der Leiste gesetzt, der gut verheilt ist.

Ist der Krebs bereits fortgeschrittener, werden Schnitte am unteren Rücken gemacht und die Stränge von dort, inklusive der Lymphknoten, komplett entfernt.

Ein Hoden weniger, zum Glück hat Mann zwei!

Ich glaube, ein gutes Selbstwertgefühl und auch ein gutes Selbstbewusstsein des Mannes, meines Mannes, haben dazu geführt, dass er emotional gefasst und sogar mit viel Humor, durch diese Zeit und Krise gegangen ist.

Bereits kurz nach der Operation fing er an, Witze zu machen. Im Umfeld mussten erstmal alle lernen damit umzugehen, aber dann war das ok.

Um sicher zu gehen, dass nicht irgendwo kleine, versteckte Metastasen sind, wurden zwei vorsorgliche Chemo-Tage angesetzt.

Die erste Chemo-Infusion erhielt er einige Wochen nach der Diagnose Hodenkrebs. Es dauerte einige Stunden und er kam nach Hause. Leider spuckte er sich in der Nacht die Seele aus dem Leib.

Die zweite Chemo-Infusion stand einige Wochen später bevor und dieses Mal erhielt er vorsorglich etwas gegen Übelkeit. Er hat sie sehr gut vertragen und hatte keine Probleme mit Brechreiz.

Heute operiert man „so viel wie nötig, sowenig wie möglich“.

Mein Onkel hatte viele Jahre zuvor, ebenfalls Hodenkrebs und ihm wurden noch sämtliche Lymphknoten entfernt. Damals lautete das Motto noch: viel hilft viel. Das ist heute, zum Glück, nicht mehr so.

Im ersten Jahr musste mein Mann alle drei Monate zur Kontrolle. Danach alle sechs Monate und dann einmal im Jahr, für sieben Jahre. Jedes Mal war alles in Ordnung und wir sehr erleichtert.

Nach drei Jahren stand dann ein neuer Check der Spermien an. Die Überprüfung ergab, dass auch hier alles wieder auf Normalniveau sei und die Kryokonservierung konnte aufgehoben werden. Damals machten wir uns noch keine Gedanken darüber, dass das unsere potenziellen Babys hätten sein können.

Werden wir noch Kinder bekommen?

Wir waren damals beide jung und haben nicht an Kinder gedacht. Das Ganze spielte sich in unseren Zwanzigern ab. Irgendwann, gute zehn Jahre später, stellte sich bei meinem Mann langsam der Wunsch ein, Vater zu werden, Kinder zu bekommen. Ich war inzwischen Ende Dreißig.

Wir versuchten es einige Monate, nichts passierte. Auf den Hodenkrebs schoben wir es nicht, eher auf mein Alter. Nach über einem Jahr, dann das erste Wunder. Ein Baby mit 40 Jahren (und trotz des ehemaligen Krebses meines Mannes).

Mein Mann galt schon lange als geheilt und ich möchte noch eines sagen!

Bereits damals im Krankenhaus hat man uns mitgeteilt:

„Hodenkrebs ist fast zu 100% heilbar,

SOFERN er als dieser erkannt wird!“

Nagelt mich bitte nicht auf diese Aussage fest, aber sie ist mir so prägnant in Erinnerung geblieben, weil sie jeglichen Druck von uns genommen hat. Alle Ängste, die einen im ersten Moment überrennen, wurden damit weggefegt und das war sicher auch einer der Gründe, warum mein Mann mit dem Hodenkrebs so gut umgehen konnte.

Es gibt so viel Mist und scheißblöde Krebsarten. Soviel wunderbare Menschen sterben an den verschiedensten Arten, selbst die Jüngsten unserer Gesellschaft, bleiben nicht verschont.

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Wir hatten Glück! Glück im Unglück! Wenn schon Krebs, dann einen zu erwischen, der so gute Heilungschancen hat.

Wir haben übrigens dieses Jahr, unser zweites Wunder in Empfang nehmen dürfen. Ich war schwanger mit 43 Jahren und er zu dem Zeitpunkt 41 Jahre alt. Beide Kinder sind auf natürlichem Wege entstanden. Man(n) kann also durchaus weiterhin Kinder zeugen.

Unser Baby wurde allerdings mit einer Zubildung an der Zunge geboren, die ihm mit 4 Monaten entfernt wurde. Auch hier hätte es uns mit einem Zungenkarzinom treffen können, aber wir hatten erneut, wahnsinniges Glück!

Über den Hodenkrebs machen wir noch heute „ein-Ei“- Witze und auch unser Sohn, weiß bereits Bescheid.


In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat ein, das sogar zu einem mehr als nur humorvollen Ratgeber geworden ist. Geschrieben von einer lieben Bekannten. Vorgegangen, im Juli 2020. R.I.P.

Bis zum Schluss, hat sie ihren Humor nicht verloren und unter anderem dieses Buch geschrieben:

„Krebs ist, wenn man trotzdem lacht.“* Sabine Dinkel

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Diese, unsere Geschichte, soll euch Mut machen! Habt ihr die Diagnose Hodenkrebs erhalten, atmet durch, ihr schafft das!

Wenn ihr mögt, hinterlasst gern eure Geschichte. Mich würde interessieren, wie die Behandlung bei euch ablief und wie lange alles dauerte?

Ich wünsche jedem Einzelnen von euch und euren Familien, alles Gute für diese Zeit!

 

 


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