Ist ein Kindergarten für jedes Kind etwas?

Veröffentlicht von Mamaleben am

Der Kindergarten… bei uns leider ein eher leidiges Thema.

Als unser Sohn zur Welt kam war klar, er soll irgendwann einen Kindergarten besuchen. Weil es ja inzwischen fast so „üblich“ ist, dachte auch ich, vielleicht kommt er mit einem Jahr in die Krippe. Kaum war er geboren, war es für mich unvorstellbar, mein Kind in so einem jungen Alter, in eine Fremdbetreuung zu geben.

Wir entschieden, der Kindergarten bzw. die Krippe besucht er dann mit zwei Jahren. Unsere Eingewöhnung verlief leider sehr holprig und wir sind nie richtig dort angekommen.

Die Bezugs-Erzieherin, die gerade noch die Eingewöhnung übernommen hatte, verließ nach nur wenigen Wochen den Kindergarten. Ein Schock. Nach nur wenigen Wochen, noch gar nicht richtig im Kindergarten angekommen, musste ich meinen Sohn häufig klammernd, weinend und schreiend, an die anderen Erzieherinnen übergeben. Sie trifft keine Schuld, sie machen ihren Job.

Aber MICH traf die Schuld und das schlechte Gewissen. Schon damals hinterfragte ich das Prinzip und dachte, das kann doch so nicht richtig sein?

Kindergarten – immer nötig?

Es ging ja nicht nur meinem Sohn so. Natürlich haben auch andere Kinder ihre Schwierigkeiten, die Trennung der Eltern morgens anzunehmen und sich damit abzufinden. Im wahrsten Sinne des Wortes – abfinden. Ich glaube, viele Kinder finden sich einfach mit ihrem Schicksal ab, weil ihnen keine andere Möglichkeit bleibt (und den Eltern ja teilweise auch nicht).

Fasziniert habe ich die Kinder beobachtet, die morgens in die Gruppe rannten und sich offensichtlich auf ihren Tag im Kindergarten freuten. Meiner gehörte nicht dazu.

Wenn ich ihn abholte, saß er oft allein und schaute sich ein Buch an. Ein Einzelgänger war er schon immer, darüber machte ich mir keine Sorgen. Ich wusste, „Freunde“ finden geht wohl erst so ab ca. 3 Jahren los.

Es war der Anblick des Wartens und die Erleichterung, wenn er mich sah, die mich regelmäßig alles hinterfragen ließ.

Vor der Eingewöhnung in der Krippe waren wir richtig guter Dinge, total positiv, erzählten ihm immer davon und freuten uns darauf, dass er sich hoffentlich freut. Es kam anders.

  • „Kita ist doof“
  • „Kinder sind doof“
  • „XY ist doof“
  • „Ich möchte da nicht hin“

Diese Art der Sätze traf er fast täglich. Er sprach in kurzen Sätzen bereits recht gut und es wurde im Laufe des Jahres immer besser mit der Sprache. Leider betraf das nicht seine Motivation.

Als der Wechsel in die Elementar-Gruppe anstand, gab es verschiedene Faktoren, die dazu führten, dass wir unseren Sohn aus dem Kindergarten abmeldeten. Doch sehr zur Überraschung der Kita-Leitung, es scheint wohl nicht so oft vorzukommen.

Dennoch bin ich ein Bauch-Mensch und entscheide spontan, wenn sich etwas nicht gut anfühlt. Selbstverständlich mit der Unterstützung und dem Einverständnis meines Mannes.

Unser Sohn war nun genau 3 Jahre alt und wir lebten von Frühjahr bis Herbst 2019, ca. 8 Monate kitafrei.

kitafrei

Bereits kurz nach der Abmeldung stand fest, dass wir einen zweiten Versuch in einem anderen Kindergarten starten werden. Dieser eröffnete Mitte November 2019 nach Neubau komplett neu. Uns gefiel das Konzept, die persönlichen Gespräche mit der Kita-Leitung auf Augenhöhe und noch einiges mehr.

Der neue Kindergarten befindet sich leider 13 km pro Strecke entfernt. Das macht also über 50 km pro Tag und knapp 2 Stunden für Bringen und Abholen. Das macht man „nicht mal eben so“ und war gut überlegt.

Es war klar, dass mein Mann aus beruflichen Gründen, diese Strecke nicht oft übernehmen wird. Ich habe mich also bewusst dafür entschieden, diese Fahrzeit auf mich zu nehmen, unter der Voraussetzung, dass mein Sohn Spaß und Freude an und im Kindergarten hat.

Bis zur Vorschule, würde er diesen Kindergarten ca. 1,5 Jahre besuchen.

Die Eingewöhnung hier verlief einfach toll! Insgesamt werden im Laufe der Zeit ca. 105 Kinder diesen Kindergarten besuchen und die Eingewöhnung startete für ca. 60 Kinder gleichzeitig. Davon zwei Elementar-Gruppen und 3 Krippen-Gruppen. Jede Gruppe ist mit einer Erzieherin mehr besetzt, als es normalerweise üblich ist.

Die Eingewöhnung verlief sanft und ganz im Sinne des Kindes. Endlich, mein Sohn ging gerne mit mir morgens dorthin. Auch die morgendliche Trennung klappte nach ca. 3 Wochen, hervorragend!  Muss wirklich jedes Kind einen #kindergarten besuchen? #kita #krippe #eingewöhnung

Er lief morgens zur Kita voraus und rein in die Gruppe. Küsschen für mich, wir zeigten uns aus der Ferne noch einen Daumen hoch oder warfen uns einen Kuss zu und ich konnte beschwingt und befreit nach Hause fahren. Einkaufen, Termine erledigen, am PC arbeiten. So hatte ich es mir vorgestellt.

Dann der Rückschritt

Er fragte immer öfter, ob er denn „schon wieder“ in die Kita müsse und an einem Tag, lief die Abgabe sehr schwierig. An dem Tag hatte ich das Eingewöhungs-Abschlussgespräch und sagte noch, dass ich mein Kind nie wieder, schreiend und weinend in einer Kita zurücklassen werde.

Es kam anders, denn am nächsten Tag eskalierte die Abgabe. Ich habe keine Erklärung dafür. Er klammerte und wollte partout nicht dort bleiben. Nach etlichen Zuredungsversuchen fragte mich die Erzieherin, ob es für mich in Ordnung sei, wenn sie ihn nun hinein trägt. Ich nickte und sie trug ihn, nach Mama schreiend, in die Gruppe. Das er ein gefühlsstarkes Kind ist, machte die Situation sicher nicht leichter.

Gerade im 9. Monat schwanger und emotional eh nicht auf der Höhe, zersprang mein Herz und ich saß danach heulend im Auto. Ich bat meinen Mann, später dort an zurufen und sich nach dem Befinden zu erkundigen. Eine halbe Stunde später saß unser Sohn fröhlich im Morgenkreis. Auch beim Abholen war alles ok und ich weiß, wie „robust“ und verzeihend Kinder sind. Dennoch, bei mir saß dieses schlechte Gefühl und der morgendliche Anblick tief und so übernahm mein Mann am nächsten Tag die Abgabe.

Leider verlief sie bei ihm genauso schlecht und wir waren verzweifelt, wie es weitergehen soll. Hatten wir uns doch so für ihn gewünscht, dass er Freude an einer Kita entwickelt. Wir hatten tatsächlich schon ein Gespräch darüber, ob wir ihn bis zur Vorschule, zuhause behalten. Aber aufgeben wollte ich noch nicht. Die Erzieherin rief uns vormittags an und ums mitzuteilen, dass er sich nach 3 Minuten beruhigte und alles in Ordnung sei. Das fand ich toll und half mir ein wenig.

Unser Sohn fragte am nächsten Tag, ob er zuhause bleiben dürfe und er durfte!, für zwei Tage. Dann war Wochenende und wir starteten Montag erneut. Und siehe da, wider erwarten, lief es besser! Keine Freude, aber auch kein Weinen und ab Dienstag lief es wieder richtig gut.

Mein Fazit

Ich habe keine Erklärung und hoffe, es war nur eine Phase. Dennoch gibt es Tage, an denen er fragt, ob er zuhause bleiben darf. Er gehört wirklich zu den Kindern, die keine 5 Tage/Vormittage in der Kita brauchen und wenn er die Wahl hätte, lieber zuhause bleiben und vielleicht ab und zu, eine Spielgruppe besuchen würde.

Früher habe ich gedacht, alle Kinder haben Freu(n)de im Kindergarten, aber inzwischen weiß ich, es muss nicht unbedingt so sein. Vielen Eltern bleibt keine Wahl und wir können in Hamburg froh über die Kita-Plätze und den damit verbundenen Kita-Gutschein über 25 Stunden die Woche, sein.

Da demnächst, durch die Geburt unseres zweiten Babys, die Elternzeit meines Mannes ansteht, wird der Große für zwei Monate auch viel zuhause bleiben dürfen. Wir möchten Zeit mit ihm und als Familie verbringen. Um den Anschluss im Kindergarten nicht komplett zu verlieren, habe ich mir überlegt, dass er vielleicht 1-2 Tage die Woche vormittags hingeht.

Acker-Kita

Unser Kindergarten ist eine Acker-Kita und gerade wenn es im Frühling losgeht mit den Hochbeeten und hoffentlich noch Hühner einziehen, bin ich guter Dinge, dass der Kindergarten ihm eine willkommene Abwechslung zu uns, bieten wird.

Dennoch haben mir die letzten zwei Jahre die Augen geöffnet und gezeigt, dass nicht jedes Kind unbedingt einen Kindergarten besuchen „muss“, nur weil es inzwischen gesellschaftlich fast schon dazugehört.

Ich glaube schon, dass es vielen Kindern gut tut, aber das es durchaus Kinder gibt, die lieber ihren Tag zuhause bei den Eltern verbringen würden. Sofern das natürlich zeitlich umsetzbar ist.

Wir haben noch 1,5 Jahre bis zum Beginn der Vorschule und werden die Tage im Kindergarten wohl auf 4 Tage reduzieren. Und ab und zu wird es noch einen oder mehrere Bonus-Tage zuhause geben. Die Jahre vor der Schulzeit vergehen wie im Flug, sie sind nur ein Wimpernschlag der Zeit, im Vergleich zum restlichen Schul- und Arbeitsleben.

Ich möchte diese Zeit so gut es geht, mit meinen Kindern gemeinsam genießen und bin dankbar für den Luxus, dass mir das zeitlich einigermaßen möglich war und sein wird.

Wann und ob unser zweiter Sohn einen Kindergarten besuchen wird, steht noch in den Sternen. Wir werden abwarten, wie sich unsere Situation und das Kind entwickelt und dann entscheiden. Auf einige Wartelisten werde ich ihn vorsichtshalber setzen lassen.

 

Kategorien: an meinen SohnPersönliches

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