Quinny Mood rückwärts gerichtet

„Mama, bitte dreh die Karre um“

„Mama, bitte dreh die Karre um“ – ihr denkt jetzt sicher, dass hätte mein Sohn zu mir gesagt, oder? Soweit ist es noch nicht. Er kann ja noch nicht sprechen, denn er ist heute genau 9 Monate alt. Er ist also komplett davon abhängig, dass ich verstehe, was er gerade möchte und wie er sich fühlt.

Vielleicht schwimme ich auch hier mal wieder gegen den Strom, wie ich es bei einigen Entscheidungen in meinem Leben schon getan habe.

Stichworte

  • Kündigung meines festen Jobs 2008, um mich selbständig zu machen
  • Hochzeit in Las Vegas
  • Mama mit 40
  • Wunschkaiserschnitt und die Liste könnte ich noch weiter fortführen…

Aber ich handle immer nach meinem Bauchgefühl. So auch in diesem Fall.

Ich stelle mir öfter vor, dass Kinder genau diese Worte „Mama, Papa, bitte dreh die Karre um“, zu ihren Eltern sagen würden, wenn sie es bereits könnten oder man ihnen die Wahl lassen würde.

Ich sehe so oft Mamas, die ihre Kinder in der Kinderkarre, im Buggy, vorwärts gerichtet durch die Stadt schieben, völlig frei und ungeschützt. Somit auch allen Reizen und Lautstärken ausgesetzt und auf sich allein gestellt. Ich finde das schade.

Das soll kein Vorwurf sein. Ich denke, viele Eltern kaufen einfach, was die Händler anbieten und zu Hauf gibt es leider vorwärts gerichtete Kinderkarren. Also muss das ja wohl so seine Richtigkeit haben. Oder?

Natürlich können wir Kinder nicht vor allen Umweltreizen schützen. Mein Weg ist, meinen Sohn langsam an diese heranzuführen und sich bei uns rückversichern zu können. Rückversicherung klappt aber am besten durch Blickkontakt. Weiter unten gebe ich euch ein Beispiel, wie ich das meine.

Manche Kinder schlafen, während sie geschoben werden. Man könnte meinen, sie schlafen. Von meinem eigenen weiß ich, dass er keine Erholung während des Schlafs in seiner Karre hat. Das merke ich daran, dass er oft kurze Zeit später zuhause, erneut und dann richtig tief schläft. In der Karre ist das eher ein ausklinken. Abschalten, wenn es ihm zuviel wird.

Nun fragt ihr euch vielleicht, was es denn nun mit der Überschrift auf sich hat? Ich bin eine klare Befürworterin dafür, den Kinderwagen für Babys und kleine Kinder, NICHT vorwärts gerichtet, sondern zu euch zu drehen! Zu ihren Mamas und Papas. Blickkontakt mit Baby

Warum?

Mein Bauchgefühl, – mein Mamagefühl – sagt mir das.

Und dieses Gefühl reicht mir für alle meine Entscheidungen, mein Kind betreffend.

Auch ich wurde schon gefragt, warum ich denn die Karre nicht umdrehe. „Dann sieht er doch viel mehr“. Ja aber was sieht er denn dann mehr?

  • laute Autos, die an ihm vorbeizischen
  • Straßenmaschinen, Krankenwagen
  • Hunde, die vor ihm auftauchen
  • hallende Tunnel und Unterführungen
  • Jogger, die auf ihn zulaufen
  • Gegenstände, die plötzlich auftauchen
  • und jede Menge Beine

Und mal ehrlich. Er sieht über mir, neben mir und hinter mir, doch genauso viel! Nur eben ein paar Minuten später.

Das ist ähnlich wie bei der Hundeerziehung. Warum muss denn der Hund an der langen Flexi-Leine 5 Meter vorauslaufen? Er kann genauso gut, an einer kürzen Leine entspannt in einem kleineren Radius bei mir laufen und erschnüffelt sich dasselbe. Nur eben 2 Minuten später. Ihr merkt vielleicht, von Flexi-Leinen halte ich recht wenig 😉

Jede Mama weiß, was das Beste für ihr Baby ist.

Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen. Jede Mama weiß am besten, was das richtige für ihr Kind ist. MIR widerstrebt es jedoch, Kinder zu sehen, die auch vor der Brust ihrer Mama in Geh-Richtung gucken und mit allen vieren von sich gestreckt, in einem Tragetuch hängen. Im Rücken evtl. noch überstreckt. Was ja automatisch passiert, wenn Mama viel Busen oder Papa viel Bauch hat 😉

Warum müssen kleine Babys mit all den Umweltreizen so früh konfrontiert werden, wo es doch für sie nichts schöneres gibt, als dicht bei der Mama zu sein. Sie nicht nur zu fühlen, sondern auch zu sehen.

Aber auch das muss jede(r) für sich selbst entscheiden. Meine Entscheidungen gefallen ja auch nicht jedem.

Es gab ein kleines Erlebnis in der Karre. Quinny Mood rückwärts gerichtet zum Thema "Mama, bitte dreh die Karre um"

Was war der Ausschlag für mein denken, die Karre so schnell noch nicht umzudrehen? Mein Sohn und ich schoben spazieren und befanden uns auf einer kleinen Straße. Unser Senior-Hund war auch dabei. Neben uns schmiss plötzlich eine Art Straßenkehr-Fahrzeug seine Maschinen an. Es war SOOO laut. Ich selbst hatte schon Probleme, diese Lautstärke ertragen zu müssen. Wir schoben also etwas schneller und mein Seniorhund gab alles. Aber schnell davon joggen war einfach nicht möglich.

Mein Sohn guckte mir direkt in die Augen. Er rückversicherte sich bei mir. Kennt ihr diese Situationen, in denen es in Sekunden von euch abhängt, ob euer Baby gleich anfängt zu weinen oder nicht? Das war so eine. Ich machte mich richtig zum Affen, lachte was das Zeug hält, fiepsige Geräusche dazu, Motivation, lachen, lachen, lachen…. Und er konzentriere sich so auf mich und rang sich auch ein Lächeln raus. DAS war für mich die Bestätigung, auf mein Bauchgefühl, mein Mamagefühl zu hören.

Hätte er in seinem Wagen nach vorne geschaut, wie hätten wir kommunizieren sollen? Sprache war bei der Lautstärke ja gar nicht möglich.

Auf dem ganzen Spaziergang wurde mir bewusst, wie oft wir uns ansehen und zusammen lachen. Agieren und auf den anderen REagieren.

Auch wir werden die Karre irgendwann umdrehen. Aber ganz sicher noch nicht so bald. Ich denke, wenn wir in der tollen, ruhigen Natur spazieren gehen, dann kann man die Karre ruhig mal umdrehen und gemeinsam den Ausblick genießen. Die Karre auch mal neben sich/euch schieben, damit euch euer Kind sehen kann und gleichzeitig schaut ihr zusammen voraus. Herrlich. Ich liebe unsere Spaziergänge mit unserem Senior-Hund sehr. Spaziergang mit Baby und Hund im Quinny Mood zum Thema "Mama, bitte dreh die Karre um"

Aber im Alltag und erst recht im Straßenverkehr, bleibt die Karre bei uns rückwärts gerichtet. Solange, bis unser Sohn Straßenfahrzeuge, Straßenlärm, Hunde und Menschenbeine einschätzen kann.

Es ist mir ein Rätsel, warum so viele Hersteller von Kinderwagen nur Vorwärtsgerichtete anbieten. Wir haben uns gezielt einen ausgesucht, bei dem sich der Karrenaufsatz in beide Richtungen drehen und dann auch noch in verschiedene Positionen einstellen lässt. So, dass das Kind sogar in einer Liegeposition schlafen könnte, wenn man es mal benötigt.

Meine Bitte an euch:

Hört nicht auf Andere, hört nur auf EUER Mama- und Papagefühl! Auf euer Bauchgefühl und vor allem, auf euer Kind!

Wer gerne mehr Artikel lesen möchte, die mich in meinem Bauchgefühl bestärkt haben, braucht nur in seine Suchmaschine eingeben „Dreht die Kinder um“.

In diesem Sinne, „dreht die Kinder um“ und habt Spaß zusammen. Probiert es doch einfach mal aus 🙂


8 thoughts on “„Mama, bitte dreh die Karre um“

  1. Auch ich finde deinen Artikel sehr schön und kann von ähnlichen Erfahrungen berichten. Mit 9 Monaten absolut undenkbar den die Kinder vorwärts fahren zu lassen. Das war bei uns die Zeit wo unsere gerade knapp der Babywanne entwachsen war und den Buggyaufsatz erst kennenlernte. Allerdings war es mit 12 Monaten komplett vorbei – ein einziges Umdrehen, Geschreie und Gebrülle – sie wollte nur noch vorwärts fahren, wenn etwas war, dann ging ihr Blick nach oben, entweder durchs Sichtfenster oder direkt ins Gesicht der Eltern. Das hat gut funktioniert. Bei unserer zweiten Tochter hatten wir einen Geschwisterwagen im Einsatz wo die Kinder hintereinander sitzen/ liegen. Hier konnte man die Sitze ebenfalls vorwärts- oder rückwärts gerichtet anbringen. Meistens haben sich die beiden angeschaut und Quatsch miteinander gemacht – für die beiden ein Riesenspaß, für die Eltern manchmal eine Geduldsprobe wenn mal wieder Kuscheltiere o.ä. durch die Luft flogen:-)

    1. Liebe Juliane, ich wollte dir natürlich noch antworten. Vielen lieben Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Ich freue mich wirklich sehr, wenn ihr mich auch an eurem Leben teilhaben lasst.
      Unsere Karre ist auch rückwärtsgerichtet in 3 Positionen einstellbar. Das find ich so super. Er kann also sitzen und gucken oder liegen und schlafen. Aber wenn es nicht geht und man merkt, dass seinem Kind das nicht gefällt, sollte man natürlich auf seinen Bauch hören. Und wenn ihr vorwärts alle gut zurecht kommt, ist das doch super!

      Das mit dem Geschwisterwagen stell ich mir schon witzig (und anstrengend) vor. Wenn die beiden sich anschauen können und Faxen machen. 🙂 Ich ziehe eh den Hut vor Mehrfach-Müttern! Aber dazu gibt es nochmal einen separaten Beitrag 😉 Bis hoffentlich bald mal wieder!

  2. Ein schöner Artikel mit einem guten Beispiel.
    Wir haben unseren Sohn, weil er nie gerne im Wagen lag, viel getragen (rückwärts versteht sich). Irgendwann, als er sitzen konnte, teilweise wieder im Wagen, weil er mehr sehen wollte. Wir haben lange rückwärts geschoben. Wir hatten glücklicherweise einen Wagen, bei dem das geht. Mittlerweile nutzen wir aber nur noch unseren Buggy, da der etwas leichter zu schieben ist und gerade für Transport super ist. Der ist leider nur rückwärts gerichtet – mein Sohn ist aber nun auch schon fast 2 Jahre alt und wir laufen eh auch ganz viel zu Fuß 😉

    1. Hallo Tine, vielen Dank für deine Rückmeldung! Ich trage meinen Sohn auch sehr gerne. Leider wurde er sehr schnell sehr groß und schwer. Ich denke auch, dass ich die Karre bis ca. 2 Jahre rückwärts gerichtet lassen werde und dann mal schauen, was er davon hält. Dann kann er mir das ja hoffentlich schon selber mitteilen 🙂 Alles Liebe für euch und bis bald wieder!

  3. Danke für deinen Artikel. Ich sehe das genauso. Mein Knirps ist zwar erst einen Monat, aber dennoch möchte ich es später so handhaben wie du beschrieben hast. LG

    1. Hallo Katja, vielen Dank für deine nette Rückmeldung. Das freut mich toootal 🙂 Genieße die Zeit, sie werden so schnell groß. Meiner ist jetzt 9 Monate und die Zeit verging so schnell. ABER, es wird auch immer schöner! Toll, dass du dich so früh schon so entschieden hast. Ich freue mich, mehr von euch zu lesen. Viele Grüße

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