Hochschwanger und Entbindung in der Corona Krise

Veröffentlicht von Mamaleben am

Als wir im Spätsommer letztes Jahr erfuhren, dass wir trotz meines Alters von 43 Jahren, nochmal Eltern eines Wunschkindes werden dürfen, war die Freude riesig. Solang hatten wir darauf gehofft, monatlich kam diese Enttäuschung und wir versuchten, von dem Kinderwunsch Abschied zu nehmen.

Plötzlich entstand neues Leben und der Entbindungstermin fiel auf Anfang April 2020. Witziger Weise ja genau der Gleiche ET wie bei unserem ersten Sohn vor vier Jahren. Beide Jungs sind/werden in einem Schaltjahr geboren, aber haben das wunderbare Datum des Schaltjahres leider um einen Monat verpasst. Gerne hätte ich mein eigenes, besonderes Geburtsdatum mit einem von ihnen geteilt.

Als der ET für April 2020 feststand, stand uns noch der gesamte Herbst, Winter und der Frühlingsanfang bevor. Das Ende der Schwangerschaft war weit entfernt und ich war zunehmend mit einem fehlerhaften Zahn-Implantat und damit verbundenen Antibiotika-Einnahmen während der Schwangerschaft beschäftigt.

Die Entbindung war weit weg, alles war weit weg. Inzwischen liegt eine neue Kita-Eingewöhnung hinter uns, Weihnachten, mein Geburtstag und als nächstes stand der 4. Geburtstag meines Sohnes auf dem Programm. Wenige Tage vor dem ET.

Hochschwanger in der Corona Krise

Plötzlich ist alles anders. Vor einer Woche brachte ich meinen Sohn noch hochschwanger in die Kita und meldete mich zur Entbindung im Krankenhaus an. Die Corona Krise war zwischenzeitlich in Italien angekommen, aber irgendwie noch nicht so richtig real.

Obwohl ich Nachrichten schaute, ist eine mögliche Kita-Schließung völlig an mir vorbeigegangen. Freitags war er noch in der Kita und am Samstag hieß es, Kitas und Schulen ab Montag aufgrund der Corona Krise geschlossen.

Das ist ja ein Ding. Aber für uns ehrlich gesagt, gar nicht so schlimm. Mein Sohn liebt es zuhause zu sein und ich bin hochschwanger, also auch zuhause. Mein Mann ist sowieso schon 1 bis 2x die Woche im Homeoffice und die anderen Tage mittags zuhause. Gott sei Dank, hat er vor 1,5 Jahren auf 34 Stunden reduziert. Wir haben damit ein tolles Work-/Life-Konzept für uns gefunden.

Entbindung und Corona – wie passt das?

Soweit war also alles gut. Kind halt zuhause, ich hochschwanger und für die Entbindung im Krankenhaus angemeldet.

Dann machte es BÄM. Eine ebenfalls schwangere Followerin von Instagram informierte mich über sehr eingeschränkte Besuchszeiten im Krankenhaus. Ich konnte es nicht glauben.

Auch auf der Startseite meines Krankenhauses stand es:

  • pro Patient nur EIN Besucher PRO Tag
  • limitiert auf die Zeit von 15 Uhr bis 17 Uhr
  • keine Kinder

Ich rief sofort im Krankenhaus und fragte, wie sich das auf der Geburtsstation verhält und erhielt sofort die Ernüchterung. Diese Ansage gilt für das gesamte Krankenhaus.

Auch wenn es angesichts dessen, was auf der Welt gerade passiert, nach einer Lappalie klingen mag, stürzte eine kleine Welt für mich zusammen. Nicht nur, dass ich noch nie länger als einen Tag von meinem Sohn getrennt war und mir kaum vorstellen kann, ihn mehrere Tage nicht zu sehen. Umso mehr machte mir der umgekehrte Fall Sorgen.

Hochschwanger und schleichende Ängste

Mein Sohn ist sensibel, gefühlsstark und hatte sich bereits so darauf gefreut, mich und seinen kleinen Bruder täglich im Krankenhaus besuchen zu können. Er wusste, er wird zuhause mit Papa allein sein, Papa wird dort einige Tage alles übernehmen und er kann mich täglich sehen. Nun kommt alles anders.

Ja ich weiß, Kinder überstehen so einiges, sie vergessen auch einiges und im Nachhinein wird es nur ein zeitlicher Wimpernschlag sein. Dennoch schmerzt die Vorstellung, wenn Papa mich besuchen fährt und der Kleine nicht versteht, warum er nicht mitdarf.

Auch finde ich es unendlich traurig, dass wir um den Moment gebracht werden, in dem die Krankenhaustür aufgeht und der große Bruder endlich seinen kleinen Bruder kennen lernen darf. Was hatte ich mich auf dieses Strahlen und seine leuchtenden Augen gefreut.

Sicher, wir werden das alles einige Tage später zuhause nachholen und müssen für zuhause eben mehr Tage Kennenlern-Zeit einplanen.

Was mir gerade Angst macht

Ist die Vorstellung, die Entbindung, ohne den Papa schaffen zu müssen. Egal ob Frauen ambulant, stationär oder per Kaiserschnitt entbinden. In einigen Krankenhäusern gibt es immer mal wieder die Ansage, dass die Väter NICHT mit zur Geburt dürfen.

Was vor 40 Jahren vielleicht noch völlig normal war, ist heute eine absolute Horror-Vorstellung.

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Ganz egal, ob ich ich/ihr allein auf einem OP-Tisch liegt oder etliche Stunden, völlig allein und vielleicht voller Angst, in einem Kreißsaal unter Wehenschmerzen ein Kind zur Welt bringt: hier darf jammern mal erlaubt sein!

Es heißt nicht, dass es nicht zu schaffen ist. Wir werden es schaffen, weil es eben so ist und wir es schaffen müssen. Einen anderen Weg gibt es nicht.

Dennoch frage ich mich, wie viele Frauen es vielleicht aufgrund der Corona Krise, hochschwanger zuhause darauf ankommen lassen. Die ihre Entbindung einfach laufen lassen, so gut sie es eben allein und zuhause schaffen. Was gerade ohne Begleitung einer Hebamme, auch sehr gefährlich werden kann.

Welche Angst ist nun größer? Die, allein im Krankenhaus entbinden zu müssen oder die, in den eigenen vier Wänden, dafür aber ohne fachliche Begleitung zu entbinden.

Die Corona Krise stellt uns alle vor neue und noch nie da gewesene Herausforderungen. Hochschwanger und kurz vor der Entbindung, macht die Sache und die Freude auf das eigene Baby, leider nicht besser.

Lasst euch nicht entmutigen. Zumindest wir Schwangeren, sitzen nicht nur halbwegs im selben Boot, sondern sind auch geplagt von ähnlichen Ängsten.

Jeder hat in diesen Zeiten sein Päckchen zu tragen. Das geht nicht-Schwangeren, chronisch Kranken, den Älteren oder den Pflegekräften nicht anders.

Versuchen wir, das Beste aus allem zu machen und uns darauf zu konzentrieren, unsere Kinder gesund auf die Welt zu bringen.

Ich wünsche euch allen, denen ebenfalls eine Geburt, Entbindung, ein Kaiserschnitt oder eine sonstige OP bevorsteht, von Herzen nur das Beste!

 


7 Kommentare

Anita · 30. März 2020 um 16:37

Ich bin werde im Mai 43 und hab vor einer Woche erfahren, dass ich wohl in der 6. Woche schwanger bin. Seitdem steht mein Leben Kopf und meine Gefühle fahren Achterbahn.
Ich wollte eigentlich nie Kinder, obwohl ich sie mag – hab aber immer mal wieder mit dem Feuer gespielt und mir gesagt, dass ich die Konsequenzen trage, sollte etwas passieren.
Hab aber im Leben nicht damit gerechnet, dass es in meinem Alter passiert.
Dazu kommt, dass es einen sehr wahrscheinlichen Erzeuger und einen eher unwahrscheinlichen gibt, was das ganze kompliziert macht. Ich bin mit keinem von beiden zusammen, lebe eigentlich schon mein Leben lang als Single mit diversen Affären…und schäme mich dafür auch nicht.
Jetzt bin ich schwanger u alles ist anders… Der unwahrscheinliche Vater ist 32 u weiß schon Bescheid und hat zum Glück gut reagiert. Der wahrscheinlichere Vater ist 29 und weiß noch von nichts…ich will den nächsten Ultraschall morgen abwarten u es ihm dann sagen.
Gleichzeitig dazu mach ich mir finanzielle große Sorgen…das Elterngeld würde gerade meine fixen Kosten decken und die kann ich nicht reduzieren, außer weit weg aus Berlin zu ziehen. Mit meinem normalen Einkommen ist das kein Thema, aber während der Elternzeit sind für mich persönlich knapp 400 € für Essen, Kleidung, Benzin etc. ziemlich knapp. Für Andere wahrscheinlich jammern auf hohem Niveau.
Aber trotz allem ertappe ich mich beim Träumen, suche Namen aus, schau nach Möbeln und freu mich…u dann sitz ich wieder da u heule und weiß nicht ob ich das packe, dafür gemacht bin.
Und gerade jetzt in der Corona Krise fühle ich mich mächtig einsam….

    Mamaleben · 1. April 2020 um 9:51

    Ich danke dir erstmal für deine Ehrlichkeit und das Teilen deiner Geschichte. Ich möchte dir gern Mut machen, denn zwischen den Zeilen meine ich zu erkennen, dass du dich freust. Deine Freude wird aber noch von deiner Angst vor der Veränderung zurückgehalten. Mir ging es damals ganz genauso. NIE hätte ich gedacht, dass ich so gerne Mutter bin und sogar ein zweites Kind bekomme. Ich weiß, dein Kopf platzt vor Gedanken, Sorgen, wie schafft man das alles. Und ja, es wird anstrengend, es wird neu, aber wenn du es zulässt, wirst du belohnt. Ich wünsche dir erstmal, dass du mit dir selbst ins Reine kommst und falls du alles zulassen möchtest, wünsche ich dir vor allem, eine reibungslose Schwangerschaft! Ich freue mich, dass du hier gelandet bist und vielleicht schaust du ja mal wieder vorbei? Ich habe das Gefühl, ich muss mehr Beiträge über das Leben als ü-40 Mutter schreiben.

    Vielleicht hast du dir auch schon die ganzen Kommentare hier durchgelesen? Dann siehst du, du bist nicht allein mit deinen Gefühlen. Von Herzen wünsche dir, dass du dein Baby annehmen magst und das überwältigende Gefühl der Mutterliebe erleben wirst. <3

Alexandra · 25. März 2020 um 21:11

Danke für deine Gedanken. Damit fühle ich mich nicht alleine gelassen. Mein EGT ist am 31.3. und ich warte täglich darauf, dass es bald losgeht. Es ist mein 3. Kind und nein ich lächle absolut nicht darüber. Mein Mann war bei beiden vorangegangenen Geburten dabei und will es auch jetzt sein. Mein Geburtsplan spielt sich mittlerweile in meinem Kopf nur noch zuhause ab. Dazu kommen die erschwerten Bedingungen, wer sich zwischenzeitlich um unsere Kinder kümmert (Großeltern sind Risikogruppe bzw. 2 Stunden von uns entfernt). Freunde, Nachbarn will man grad in diesen Zeiten auch nicht belasten.
Bei der Geburt selber, dürfte mein Mann noch dabei sein. Aber danach absolut keine Besucher. Auch in mir ist eine Welt zusammengebrochen. Der Start unseres kleinen Familienlebens wird so ganz anders ablaufen als ich es mir vorgestellt habe.
Im Spital werden die Mütter auch früher heim geschickt. Ich hatte immer sehr schwere Entbindungen und große Geburtsverletzungen, und wünsche es mir, dass es diesmal nicht so ist, aber wenn doch, würde ich mich im Spital unter Aufsicht besser fühlen. Aber man weiß ja nie, wo der Arzt bzw. die Schwestern davor waren. Und ob sie gesund sind. Sollte man sich im Spital anstecken, dann muss man ja 14 Tage in Quarantäne dort bleiben. Also dann doch lieber früher nach Hause. Zum Glück habe ich eine Hebamme die vorbeikommen könnte. Aber auch nur wenn es wirklich notwendig ist.
Aber wichtiger ist natürlich die Gesundheit aller. Das darf man auch nicht aus den Augen verlieren.

Das ist nur ein Teil meiner 10000 Gedanken und doch werden wir das alle hoffentlich gut überstehen. Was bleibt uns auch übrig😔

Bleibt gesund.
LG

    Mamaleben · 26. März 2020 um 7:56

    Hallihallo, ich danke für deine netten Worte und liebe Rückmeldung! Ich drück dir alle Daumen, dass deine Geburt dieses Mal leichter verläuft und du schnell wieder nach Hause kannst. Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Mal eine natürliche Geburt vorziehen würde (hatte damals Wunsch-KS). Aber es weiß es eben niemand, welche Variante besser verläuft und so wird es nun doch wieder ein geplanter KS. Eine schwere Geburtsverletzung ist sicher auch nicht viel angenehmer. Ich hatte mich auch sehr auf die Nachsorge meiner Hebamme gefreut, aber leider gerade die Absage erhalten. Sie macht nun aufgrund Corona keine Hausbesuche mehr, nur noch Beratung per Telefon. Aber die braucht man dann ja irgendwie auch nicht wirklich :-/ Ich drück uns allen die Daumen und schön, dass du den Weg hierher gefunden hast! Alles Liebe, Janin

Franzi · 22. März 2020 um 19:10

Hallo! Ich kann euch nur Mut machen! Ich habe im Dezember 2019 meine kleine Tochter ohne Partner im Klinikum zur Welt gebracht. Zwar ohne corona Virus aber mit Mann im auslandseinsatz. Die Hebamme u die Ärztin waren prima! Und ich habe das Personal als mein Team gesehen. Konzentriert euch auf euch, eure Geburt, euer Wunder u euer Baby u genießt die Zeit – wenn auch nicht nur schöne Momente kommen. Der Moment kommt nicht mehr zurück! Ich habe lange wegen einer Hausgeburt überlegt, aber da wir weiter weg vom Krankenhaus (im Notfall) wohnen, die Idee verworfen. Familie ist wichtig, aber die habt ihr das ganze Leben noch! Wichtig sind die Wochen, die auf die Geburt folgen. Und für die Partner sind diese sehr wichtig! Ich bin nach einem Tag wieder heim um bei meiner Tochter zu sein u zu dritt die ersten Wochen zu genießen! Ich wünsche alles alles gute und dass ihr die Zeit trotz allen Widrigkeiten genießen könnt!!!

Sandra · 20. März 2020 um 11:06

Mir geht es gerade genauso. ET Mitte April und tausend Gedanken schießen durch den Kopf. Sogar das mit dem „Alleine-zu-Hause-Entbinden“ im Notfall habe ich schon im Kopf gesponnen. Es ist jedenfalls psychisch eine große Belastung gerade und ich wünsche mir und allen Hochschwangeren, dass Väter bei der Geburt weiterhin zugelassen werden. Das hilft wirklich keinem sonst.

    Mamaleben · 20. März 2020 um 13:38

    Ja, ist das nicht verrückt, dass uns das „ich probier es mal allein zu Hause“ in den Kopf kommt? Meine Hebamme meinte auch, lass das bloß sein. Du hast kein CTG, das Baby wird nicht überwacht etc. Weil ich sagte, im Notfall kann ich ja einen Krankenwagen rufen. Aber das ist natürlich alles ziemlich fahrlässig, zumindest beim ersten Kind, welches auf natürlichem Wege zur Welt kommen würde. Ich denke Frauen, die bereits mehrere Kinder entbunden haben, lächeln da drüber. Da gehen ja dann einige eine Hausgeburt an, allerdings in der Regel ja „begleitet“ von einer Fachperson. Ich drück uns die Daumen! Alles Liebe für dich! Ich denke, mit Mitte April triffst du leider auch noch genau die Hochzeit. Ab Mai entspannt es sich hoffentlich alles wieder…

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