im Interview Dr. Ute Taschner zu Geburt_nach_kaiserschnitt
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Geburt nach Kaiserschnitt – Experten Interview Dr. Ute Taschner

Dr. Ute Taschner ist Ärztin und Expertin zum Thema „Geburt nach Kaiserschnitt“ (vbac = vaginal birth after ceasarean section).  Ihr medizinischer Weg führte sie von einer geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung, über eine Ausbildung zur Stillberaterin, weiter zur Gutachterin für die WHO, zurück zur Aufnahme ihrer Tätigkeit als Ärztin und rundete ihr Portfolio noch mit einer Ausbildung zur HypnoBirthing-Kursleiterin ab.

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Als Mutter von vier Kindern, erzählt uns Dr. Ute Taschner auch von ihren eigenen Erfahrungen . Ich freue mich sehr, dass Sie für ein Interview zur Verfügung steht und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert.

Geburt nach Kaiserschnitt – Interview

1. Liebe Ute, magst du uns verraten, wie alt du bei den Geburten deiner vier Kinder warst?

Bei der Geburt meines ersten Kindes war ich gerade 26 Jahre alt und noch im Studium. Bei Nummer zwei war ich 31 Jahre alt, beim dritten Kind dann 37 und unser letztes Kind kam zur Welt, nachdem ich 41 Jahre geworden war. Diese großen Abstände haben sich einfach so ergeben.

Ach guck, dann bist du sogar selbst eine ü40 Mom

2. Du bist ein Beispiel dafür, was Frauen wuppen können. Studium, Ausbildung, 4 Kinder und nebenbei noch ehrenamtliche Tätigkeiten und Fortbildungen. Gab es Momente, in denen zu am liebsten etwas hingeschmissen hättest oder hast du dir Auszeiten gegönnt?

Ich habe immer sehr auf Ausgleich geachtet. So begann ich nach den Geburten erst nach längeren Pausen wieder zu arbeiten. 
Nach der Geburt unseres Sohnes zogen wir in die Schweiz und nach der Geburt unserer Tochter für eine WHO-Tätigkeit nach Belgien. Besonders der Belgien-Umzug brachte einerseits zusätzliche Belastungen mit sich aber auch durch die notwendige Neuordnung die Chance, in Belgien mit der Tätigkeit als Autorin zu beginnen, was sich besser als eine Kliniktätigkeit mit kleinen Kindern vereinbaren ließ. 
Erst nach unserer Rückkehr nach Deutschland war ich wieder in der klinischen Geburtshilfe tätig. Dabei achtete ich immer auf Auszeiten und organisierte mir Unterstützung. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die alles allein zu schaffen versuchen.

3. Während deiner Ausbildung auf der gynäkologischen Station eines Krankenhauses, hast du Geburten beobachten und von Hebammen lernen dürfen. Was hast du für dich aus dieser Zeit mitgenommen?

Einmal dass bei Geburten alles an Entwicklung in jede Richtung jederzeit möglich ist. Das lehrt sehr viel Demut.
Dann auch, dass Ruhe und Zeit wichtig sind. Sich selbst sollte man unbedingt zurück nehmen. 
Und keine Frau sollte allein sein aber jede Frau braucht eine andere Unterstützung und dazu muss man gut beobachten und spüren, was hilfreich sein könnte. 

Unterschiedliche Handhabung in Krankenhäusern

4. Hast du damals auch schon Frauen kennengelernt, die eine Geburt nach Kaiserschnitt hatten? Wie ist das Krankenhaus mit dem Wunsch umgegangen?

Das wurde in den Kliniken jeweils unterschiedlich gehandhabt. Geburt nach Kaiserschnitt ist meist grundsätzlich möglich, aber am Ende hängt viel daran, welcher Arzt und welche Hebamme gerade im Dienst sind.
Nach zwei Kaiserschnitten wurde in einer Klinik die Begleitung einer natürlichen Geburt abgelehnt, in einer anderen Klinik war es unter strengen Auflagen gestattet und in einer weiteren Klinik, die ich kennenlernen durfte, hing es davon ab, welcher Arzt Dienst hatte, ob es „gestattet“ war. Das kann im Grunde nicht sein. 

5. Deine ersten zwei Kinder kamen per Kaiserschnitt auf die Welt. Hast du beide Sectios gut verarbeiten können? Als Medizinerin weißt du ja sehr genau, was in dem Moment mit deinem Körper passiert.

Beim ersten Kind war ich völlig überrascht, dass mir das „passiert“ ist. Ich brauchte längere Zeit und von da ab war mir klar, dass eine natürliche Geburt und ein Kaiserschnitt nicht einfach nur alternative Formen der Geburt sind. Den zweiten Kaiserschnitt habe ich sehr gut verarbeitet. Da kannte ich das ja schon.

Dr. Ute Taschner – persönlich

6. Als du mit deinem 3. Kind schwanger warst, wusstest du sofort, dass du eine Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) versuchen möchtest? Wie haben deine betreuenden Ärzte darauf reagiert?

Ich wusste schon lange bevor ich mit dem 3. Kind schwanger wurde, dass ich mir eine natürliche Geburt wünsche und das dies nicht so ohne weiteres möglich ist. Ich begann schon längere Zeit davor, mir ein Geburtsteam zu suchen. Erst dann traute ich mich, wieder schwanger zu werden. 

7. Hat die natürliche Geburt ohne Komplikationen geklappt? Ebenso bei deinem vierten Kind?

Beide Geburten dauerten sehr lange. Das scheint meine persönliche Note zu sein.
Das war schon sehr anstrengend und verlangte mir und meinen Geburtshelfern viel ab. Beide Kinder waren auch recht groß und schwer. Mein drittes Kind wog 4000g und mein viertes Kind 4300g. Komplikationen gab es keine. Durch die lange Geburtsdauer schrammte ich dennoch beide Male nur knapp an einem weiteren Kaiserschnitt vorbei. 

ü40 Schwangerschaften

8. Hast du auch schon ü40 Mütter bei ihren Geburten begleiten dürfen?

Ja, nach klar. Aber das Alter spielte eigentlich keine große Rolle im Geburtsverlauf. Die haben das toll gemacht.
Was jeweils im Vorfeld lief, kann ich nicht sagen, denn in der Klinik sieht man ja nur die Frauen, wenn sie zur Geburt kommen.
Mein Eindruck ist, dass die Indikation zu einem Kaiserschnitt, die ja häufig nach einer Beratung durch den niedergelassenen Arzt er gestellt wird, etwas häufiger ist. 
Wichtig ist auch hier, nie etwas zu erzwingen und keine Frau zu einer bestimmten Form der Geburt zu drängen und auch die medizinische Anamnese mit Vorerkrankungen im Blick zu behalten, ohne jedoch eine gesunde Frau nur auf Grund ihres Alters zu pathologisieren. 

9. Kannst du dich erinnern, welches Alter deine älteste Schwangere hatte oder spielt das Alter keine Rolle?

Darauf habe ich nie genau geachtet. Die Frau mit ihren Wünschen und Bedürfnissen und nicht das Alter stand im Vordergrund. 

10. Wie stehst du privat und auch aus medizinischer Sicht zu „später Elternschaft“?

Es kommt im Leben wie es kommt, würde ich sagen 😉
Egal, wie alt eine Mutter ist, muss immer individuell geschaut werden was jeweils für individuelle Geschichten und Risiken vorliegen und viele ältere Mütter sind ja sehr bewusst, ernähren sich gesund und treiben Sport. Auch eine junge Frau kann Risiken oder Vorerkrankungen mit sich tragen. Pauschal kann man dazu gar nicht so viel sagen.

Geburt nach Kaiserschnitt / VBAC

11. Aus der Sicht als Mutter und aus der Sicht als Ärztin, welche Tipps würdest du Frauen mit auf den Weg geben, die sich eine Geburt nach Kaiserschnitt wünschen und gern versuchen möchten?

Es ist mit guter Vorbereitung sehr viel mehr möglich, als man denkt.
Wichtig ist, sich gut zu informieren und die eigenen Möglichkeiten, wie eine gute Geburtsvorbereitung, ein gutes Team aber auch die mentale Vorbereitung nicht dem Zufall zu überlassen. 

12. Du hast ein Buch herausgebracht: „Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt. Praxis-Wissen von der Ärztin“* War dieses Buch ein Herzensprojekt und hast du bereits Rückmeldungen von Frauen erhalten?

Ich habe das erste Buch gemeinsam mit einer Ko-Autorin geschrieben und schon dieses war ein Herzensprojekt. 
In mein neues Buch ist nun meine Erfahrung aus den letzten 10 Jahren medizinischer Entwicklung und der Begleitung von Müttern mit eingeflossen. Zum ersten Buch erhalte ich super viele Dankesbriefe von Müttern, die schreiben, dass ihnen das Buch sehr viel Mut gemacht hat und eine wertvolle Unterstützung war. Das neues Buch, welches gerade erst erschien, wird vor allem auf Insta jetzt schon von meinen ersten Käuferinnen sehr positiv erwähnt.

Geburtsvorbereitung im Interview: Dr. Ute Taschner, Expertin für #geburt nach #kaiserschnitt - #vbac #spontangeburt #baby #sectio #mamawerden

13. Du gibst auch Kurse zur Vorbereitung auf die Geburt sowie Begleitung, nach einer traumatischen Geburt. Woran kann eine Frau erkennen, dass sie eine traumatische Geburt erlitten hat? Ich glaube, manchen Frauen/Paaren ist dies nicht sofort bewusst.

Wenn eine Frau nach der Geburt längere Zeit innere Leere spürt, sich wie ein Automat fühlt oder sie die Gedanken an die Geburt immer wieder beschäftigen aber auch, wenn sie das Gefühl hat, falsch zu sein oder sehr traurig, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie eine traumatische Geburt erlebt hat. 

Anmerkung von Mamaleben: Wer Interesse an einem Onlinekurs zur Vorbereitung einer Geburt nach Kaiserschnitt hat, kann sich hier umschauen.

14. Gibt es generell etwas, dass du Frauen mit auf den Weg geben möchtest?

Du kannst viel mehr, als du denkst!

Vielen Dank an Dr. Ute Taschner für das Interview! Wer Lust auf mehr bekommen hat, hier findet ihr:

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