Schwanger mit 47, Geburt und Baby mit 48 – starke Mama im Interview

Veröffentlicht von Mamaleben am

Schwanger mit 47 und ein Baby mit 48 – für die neue Reihe „Eure Geschichten – starke Frauen“, durfte ich Natascha interviewen.

Sie ist 6-fache Mutter und trägt noch zwei Babys im Herzen. Zum letzten Mal schwanger war sie mit 47 Jahren und ihr kleiner Sohn kam nur wenige Tage nach ihrem 48. Geburtstag, zur Welt. Ein Baby mit 48 – ich finde es wundervoll und ziehe meinen Hut.

Liebe Natascha, wir kennen uns (leider) nicht persönlich, aber über Instagram. Deine Posts bewegen mich oft. Ihr habt ein bewegtes Leben geführt.

 

Magst du uns verraten, wie alt du bei den Geburten deiner Kinder warst?

„Bei Kind Nummer 1 war ich 25 Jahre, bei Nummer 2 27 Jahre, bei Nummer 3 31 Jahre, bei Nummer 4 37 Jahre, bei Nummer 5 42 Jahre und bei Kind Nummer 6 bekam ich das Baby mit 48 Jahren.“

 

War für dich beziehungsweise euch von Anfang an klar, dass ihr gern eine große Familie hättet?

„Ich wollte schon immer eine große Familie, mein Mann hatte keine genaue Vorstellung“.

 

Wie hat euer Umfeld auf Kind Nummer 3 und Nummer 4 reagiert? Selbst das ist für manche im Umfeld schon „viel“. Bevor ich eigene Kinder hatte, kam mir das selbst so vor.

„Unser nahes Umfeld wusste von unserem Wunsch, da kam keine Reaktion.“

 

Du warst bei deiner fünften Geburt 42 Jahre alt. Ich habe bisher als ü40-Mutter, Gott sei Dank, keine schlechten Erfahrungen machen müssen. Wie war das in deinem/eurem Umfeld in Bezug auf dein Alter?

„Bei Laurens war ich 42 Jahre alt und da kamen die ersten, komischen Kommentare. Mitten beim Einkaufen, von Menschen die ich nur vom Sehen kannte und teilweise wirklich unter der Gürtellinie.“

Schwanger mit 47

Kamen auch Kommentare in Bezug auf das Alter deines Mannes?

„NIE!!

 

Würdest du sagen, ihr hattet mehr mit Vorurteilen aufgrund der Anzahl eurer Kinder oder deines/eures Alters zu tun?

„Beides. Am häufigsten kamen:

  • „Muss das noch sein?“
  • „In deinem Alter“
  • „Wie verantwortungslos.“

Nach der Geburt mit 42 Jahren, wann war dir bewusst, dass du dir ein weiteres Kind wünscht? 

„Ich habe mit 45 Jahren unsere Tochter in der 24. Schwangerschaftswoche geboren, doch sie verstarb. Diese Frühgeburt war ein Arztfehler und ich konnte dies nicht akzeptieren. Die Freude auf unsere Tochter war so groß, die Angst um ihre Gesundheit ebenso groß. Wir waren in der 20. Woche bei der Feindiagnostik, da war noch alles gut. Ab dem Tag war die Freude da und die Angst wich.“

 

Wie haben die Ärzte auf deine Kinderwünsche ab ü40 reagiert?

„Ich hatte tolle Ärzte und wechselte ich eine Klinik, die sich auf ü40 spezialisiert hatte. Dort wusste ich recht schnell, dass ich gute Chancen hatte.“

 

Standen eure älteren Kinder immer hinter euren Entscheidungen?

„Ja, total. Die Freude war immer riesengroß“. 

 

Du bzw. ihr, habt zwei tragische Verluste erlitten und darüber wird oft ungern gesprochen. Viele Frauen machen Fehlgeburten und den Verlust ihrer Kinder mit sich selbst aus. Magst du uns kurz davon erzählen, in welchen Schwangerschaftswochen es dazu kam?

„So wichtig, jeder Frau ihren Weg mit diesem Thema zu lassen. Ich spreche ganz offen darüber. 

Bei Paul wussten wir schon in der 11. Woche, das etwas nicht stimmte (Nackenfalte). In der 14. Woche dann die Diagnose „Anenzephalie mit schwerem Herzfehler“. Er starb in der 19. Woche. 

Bei Helena hatte ich eine bakterielle Vaginose, die zu spät erkannt wurde. Sie wurde erst diagnostiziert, als ich zum dritten Mal wegen Beschwerden beim Frauenarzt war. Dort war der Muttermund schon 4cm offen. Trotz sofortiger Einweisung, Gabe von Wehen-Hemmern und starker Antibiose, konnte die Geburt bei Woche 24 + 0 nicht verhindert werden. Sie verstarb einige Stunden nach der Geburt.“

 

Ich kann mir vorstellen, dass das oft auf euer Alter bezogen wurde. Besteht da ein Zusammenhang oder kann jede Frau davon betroffen sein?

„Bei Paul war ich 35 Jahre und seine Krankheit wurde nie mit meinem Alter in Verbindung gebracht. Bei Helena war es das nicht erkennen der Infektion.“

 

Wie hast du es psychisch geschafft, den Wunsch nach einem weiteren Kind auszuhalten und umzusetzen?

„Natürlich flossen oft Tränen und nach Helena habe ich auch ein Jahr lang eine Therapie gemacht. Begleitet durch diese Therapie wurde es für mich leichter.“

Ein Baby mit 48

Ihr durftet tatsächlich ein weiteres Wunder erleben. Du wurdest erneut schwanger mit 47 Jahren und hast dein Baby mit 48 Jahren zu Welt gebracht. Viele ü40 Frauen fragen sich, wie sie ihren Traum verwirklichen können. Hast du einen Tipp?

„Das ist sehr individuell, jede Frau hat bei dem Thema Fruchtbarkeit eine andere, genetische Veranlagung.“

 

Magst du uns erzählen, ob eure Kinder auf natürlichem Wege entstanden sind oder eine Klinik geholfen hat?

„Uns hat eine Klinik geholfen, indem wir den Anti-Müller-Hormon haben bestimmen lassen. Hormonwerte in verschiedenen Zyklusphasen und die Bestimmung der Eizellreserven. Ich wusste sehr schnell, dass wir noch eine Chance hatten. Zusätzlich wurde ich von einer Heilpraktikerin begleitet, die auf Kinderwunsch spezialisiert war.“

 

Wie waren die Schwangerschaften und auch die Geburten mit 42 und ein Baby mit 48 Jahren im Gegensatz zu den vorherigen? Empfandst du sie körperlich anstrengender?

„Bei Laurens war ich voller Energie und Freude, wir hatten uns von unserer Klinik sehr schnell das Feedback, dass er gesund ist. Ich habe keine speziellen Untersuchungen gemacht. Die Erfahrung des dort leitenden Frauenarztes hat mir gereicht. 

Bei Julius war ich sehr angstbehaftet, es war emotional eine sehr schwere Schwangerschaft.“

Ich habe gemerkt, dass sich manche Frauen fragen, ob sie dem ganzen mit ü40 noch gewachsen sind. Was meinst du dazu?

„Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht, ich war immer sportlich. Gedanken, „was wäre wenn?“, mache ich mir nicht. Sie bringen nichts.

Das Leben kommt, das Schicksal schreibt, ohne zu fragen.“

Im Interview eine 6-fach Mama zum Thema: schwanger_mit_47 - ein bewegtes Leben. #baby #geburt #ü40 #kiwu #kinderwunsch #mamasein #mamawerden #schwanger

Frauen, die bereits Kinder haben, müssen sich bei einem unerfüllten Kinderwunsch oft Sachen anhöre wie: „Sei doch dankbar, dass du bereits XY Kinder hast.“ Diese Personen verstehen nicht, dass ein Kinderwunsch nicht rational ist und völlig unabhängig davon, wie viele Kinder man hat oder welches Alter im Ausweis steht. Hast du diese Erfahrung auch gemacht?

„Ja, sogar sehr oft musste ich mir das anhören. Kinderwunsch findet aber nicht im Kopf statt sondern in der Seele.“

Gibt es etwas, das du Frauen oder Paaren mit Kinderwunsch mit auf den Weg geben möchtest? Vielleicht auch einen Rat, speziell für ü40 Paare?

„Stecke mehr Energie in deinen Mut, als in deine Ängste.

Vertraue in gute Ärzte und ihre Erfahrungen und vertraut euch vor allem selber. Bis Julius zu uns kam, haben wir 4 Jahre gehofft und gewartet. Jeden Monat aufs Neue. Ich wusste immer, dass da noch eine kleine Seele ist. Dies sind die Gefühle, die im Herzen schlummern und nicht rational erklärbar sind.“


Liebe Natascha, vielen herzlichen Dank, für diesen sehr persönlichen und ehrlichen Einblick in dein bewegtes Leben.

Wer wissen möchte, wer sich hinter diesem Interview zum Thema „Schwanger mit 47“ verbirgt, findet hier Nataschas Instagram Account.

Ein später Kinderwunsch bewegt sich meist zwischen Hoffnung und Enttäuschung.  Meine Babys durfte ich mit 40 Jahren und 44 Jahren in Empfang nehmen.

Wie war das bei euch? Wer mag, erzählt gern von euren Geschichten.

 

 


5 Kommentare

Carmen · 10. Mai 2021 um 9:52

Es wird oft darüber gesprochen, dass Schwangerschaften über 42 oder 45 Jahre großteils darauf zurückzuführen sind, dass heutzutage moderne Frauen ihren Kinderwunsch aufschieben würden und dass das nicht natürlich oder gesund ist. Meine Oma wurde 3 Monate nach der Geburt meines Vaters 47 Jahre alt. Er war ihr 7. Kind. Das war 1940.
Der Vater meines Ex-Freundes ist inzwischen über 90 Jahre alt und hat mir mal erzählt, dass in seiner Schulklasse kein/e MittschülerIn eine Mutter hatte, die bei der Geburt unter 40 war (in den 1920ern).
Es ist alles rund um Empfängnis und Schwangerschaft so komplex und individuell, wir sollten uns hüten, darüber zu urteilen.
Ich selbst hatte ab 27 einen Kinderwunsch – schwanger geworden bin ich (natürlich) mit 32 und 39. Dazwischen jeweils über 4 Jahre nicht. Warum – keine Ahnung, viele der gängigen Erklärungen (Stress o.Ä.) trafen nicht zu. Es war einfach so.
Die Schwangerschaft mit 39/40 war übrigens nicht anders als die mit 32/33, ich habe beide genossen und mich gut gefühlt. Auch die Geburten waren wunderbar – beim zweiten Kind habe ich ambulant entbunden und bin gleich wieder heim.
Ich kann nur jeder Frau empfehlen, zu spüren, was für sie richtig ist und dann auf die eigene Kraft und Energie zu vertrauen (klar, die ist nicht immer da, aber das geht auch jüngeren Frauen so!!).
Carmen

    Mamaleben · 10. Mai 2021 um 10:06

    Liebe Carmen, ein ganz wundervoller Kommentar mit tollen Informationen, vielen Dank dafür und das du dir die Zeit genommen hast. All das ist nicht selbstverständlich in unserer schnell-lebigen Welt.

    Wertfrei und die Dinge (an)nehmen, wie sie sind oder sich ergeben. Niemand kennt die Umstände der Anderen. Dein Ansatz, mal in die früheren Jahre zurückzuschauen, ist eine tolle Idee für einen Blogbeitrag. Ich werde mir das mal merken und schauen, ob ich dazu Informationen finde.

Julia Kuthan · 12. April 2021 um 20:27

Vielen Dank an Natascha für diesen ermutigenden Beitrag! Es tut so gut, zum Thema späte Schwangerschaft mal was anderes zu lesen wie die üblichen Artikel, die sich meist sehr stark auf die Risiken konzentrieren! Rollenbilder wie diese sind echt selten.

    Mamaleben · 13. April 2021 um 7:26

    Vielen Dank für deine Rückmeldung! Es freut uns sehr, genau solche Meldungen zu erhalten!

Sabine Briel · 26. März 2021 um 15:33

Vielen lieben Dank für dieses tolle Interview! Der Artikel macht viel Mut! Und es ist sooo wahr: nicht der Kopf trifft in dieser Beziehung eine rationale Entscheidung, sondern die Seele. Das können viele Menschen, die dieses Gefühl nicht kennen/ haben, nicht verstehen. Da gibt es nur „aber du hast doch schon….“ ….

Alles Liebe und viel Mut für euch Alle,
Sabine

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