Angst vor einer Wochenbettdepression

Veröffentlicht von Mamaleben am

In ca. drei Wochen ist der Entbindungstermin meiner zweiten Schwangerschaft und das Thema Wochenbettdepression (vielleicht auch Babyblues), war bis vor wenigen Wochen, nie ein Thema für mich.

In der ersten Schwangerschaft, vor haargenau 4 Jahren, habe ich mir überhaupt keine Sorgen gemacht. Da hat mich zwar meine Selbständigkeit beschäftigt und auch der finanzielle Aspekt, aber beides war irgendwann geklärt und alles nahm seinen normalen Lauf.

Ich überlege schon sehr lange, ob ich diesen Beitrag hier veröffentlichen soll, denn ich möchte mein Familie, die zum größten Teil mit liest, nicht verunsichern. Dennoch empfinden vielleicht auch andere Frauen wie ich und vielleicht schaffen wir es aus diesem Tief der Gefühle, auch ohne Hilfe wieder hinaus.

In mir brodelte schon vor der Schwangerschaft Unzufriedenheit oder eher eine Traurigkeit. Obwohl ich dankbar und glücklich sein sollte, war da dieses Gefühl, nicht glücklich zu sein. Wirklich sehr schwer zu erklären.

Zwischendurch gab es aber viele, tolle Momente und auch viele Momente des Glücks und der Zufriedenheit. Diese schafften es immer wieder, die negativen Gefühle ein wenig zurückzudrängen. Dennoch brodelte da etwas und irgendwann kam die Traurigkeit des unerfüllten Kinderwunsches noch dazu.

Gleichzeitig war ich stolz auf mich, gegen meine Natur, schwierige Zahnarzt-Termine geschafft zu haben. Plötzlich sollte alles perfekt sein!

Mein langwieriges Zahnproblem war behoben und ich hielt einen Monat später, im Alter von 43 Jahren, plötzlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.

Die Welt war in Ordnung, sogar kurz perfekt.

Vollkommenes Glück.

Zumindest kurz, denn plötzlich eiterte mein Zahn-Implantat und die gerade noch so neu begonnene und so sehr gewünschte Schwangerschaft, nahm ihren gar nicht schönen Verlauf.

Anfangs versuchte ich noch positiv zu denken. Nach einer 3-maligen Einnahme von Antibiotika während der Schwangerschaft und keinerlei Besserung meines Zahnes, fand ich mich damit ab, was mir nach der Schwangerschaft blühen wird.

Überschattet und gefangen in dieser Zahnarzt-Angst-Spirale, konnte ich mich auf nichts mehr einlassen. Die Schwangerschaft lief nebenbei, in meinem Kopf drehte sich alles nur noch um die anstehenden Zahn-Ops. Für viele sicher eine Lappalie, wenn man bedenkt, was ich im Gegenzug dafür bald in den Armen halten darf.

Und dennoch, genau das ist ja das Problem. Zu wissen, wie glücklich und dankbar man sein sollte, dieses langersehnte Wunschkind bald bei mir haben zu dürfen und gleichzeitig diese Traurigkeit und keine Vorfreude empfinden zu können.

Angst vor Wochenbettdepression

Dieses Gefühl kam immer mehr hervor, zerrissen zwischen „ich wollte mich doch freuen“ und „ich möchte nur, dass alles vorbei ist“.

Irgendwann nahm ich meinen Mut zusammen und erzählte einer Freundin, wie ich empfinde. Das ich keine Vorfreude empfinden kann und mein Lachen, meine Fröhlichkeit verloren habe.

Da fiel es zum ersten Mal, dieses Wort, von ihr: aufpassen, Wochenbettdepression. Vorher hatte ich mich gar nicht damit befasst und inzwischen war ich ca. im 8 Monat.

Puh, nun hatte das Kind einen möglichen Namen (ganz im Gegensatz zu unserem Baby, das tatsächlich kurz vor ET immer noch keinen hat…).

Ich machte mich nun mal schlau, was ich das eigentlich und wie entstehen Dinge wie ein Babyblues, eine Wochenbettdepression, wo liegt der Unterschied. Denn Unterschiede gibt es!

8 von 100 Frauen leiden an Wochenbettdepression

Es gibt einen Selbsttest, den man machen kann, um eine erste Einschätzung zu erhalten. Über 10 von 20 Punkten, sollte man eine „Fachkraft“ aufsuchen. Ich lag deutlich über 10 und war schon erschrocken.

Als mich meine Gynäkologin irgendwann fragte, wie es mir geht, bin ich vor ihr kurz in Tränen ausgebrochen. Es war ein sch… Morgen, die Abgabe in der Kita meines Sohnes klappte gar nicht und es war einfach einer dieser schlechteren Tage. Es gibt bessere und schlechtere und das ich die gesamte Schwangerschaft über mit einem eitrigen Zahn leben muss, dessen Entzündung langsam den Knochen zerfrisst, machen mein Nervenkostüm immer dünner.

Bei der Anmeldung im Krankenhaus, versuchte ich der leitenden Hebamme von meinen Bedenken, meinen fehlenden Freude zu erzählen. Sie antwortete: „Ach, sie sind verwirrt“. Was ich darauf dachte, schreib ich aus Jugendschutzgründen lieber nicht auf.

Von Vorbildern

Mein Geburtstag stand im 9. Monat an, endlich mal wieder ein Schaltjahr, ein 29.Februar. Ich liebe diese Tage, wenn ich „wirklich“ Geburtstag habe. Dieses Mal war es etwas anders. Auch überschattet von allem, dennoch war es ein schöner Tag mit meiner Familie.

Im Nachhinein gab es eine Aussprache mit meinem Mann, die auch sehr gut tat und ein großer Schritt in die richtige Richtung war. Es gab mir wieder etwas Kraft und Auftrieb. Einige Dinge entspannten sich und mir fiel ein großer Stein vom Herzen, er nahm mir eine Last ab. Endlich wieder etwas Positives.

Auch nahm ich mir einige, wirklich starke Frauen zum Vorbild, deren Geschichten und Mut ich bewundere. Ich sage zu mir selbst: „Stell dich nicht so an! Sie haben XY geschafft oder mit XY zum kämpfen, du wirst wohl eine Entbindung und so ein paar blöde Zahn-Ops überstehen“

Dann kam Corona….

Inzwischen in Schwangerschaftswoche 37, also im 10. Monat angekommen, wurde Corona immer präsenter. Plötzlich schlossen die Kitas, das war für uns gar nicht schlimm. Mein Sohn ist gerne zuhause und ich war sogar dankbar, dass ich den Weg nicht mehr auf mich nehmen musste.

Aber dann schloss immer mehr und plötzlich hieß es, keine Geschwisterkinder mehr als Besucher im Krankenhaus, Papas nur noch kurz und vielleicht sogar nicht mehr! Hochschwanger, emotional und voller Ängste in der Corona-Krise, machte mein ganzes Befinden nicht besser.

Wir überstehen das. Wir genießen tatsächlich die gemeinsame Zeit zuhause, haben das große Glück, einen Balkon und Garten am Haus zu haben und eine Oma, die mit uns im Haus lebt. Unser Sohn hat also Möglichkeiten und auch die allein lebende Oma ist nicht komplett allein. Das Positive sehen.

Wenn die #schwangerschaft von Ängsten überschattet ist, vor welchen auch immer. #wochenbett #depression #babyblues #geburt #baby #corona #eltern

Der Entbindungstermin rückt in greifbare Nähe, ich vertraue darauf, dass der Papa dabei sein darf. Meinen Sohn habe ich darauf vorbereitet, dass wir uns einige Tage nicht sehen. Ich lasse ihm eine „Mama-Tasche“ als Überraschung da.

Und dennoch, die Angst vor dem

Babyblues oder sogar einer Wochenbettdepression

ist nach wie vor da. Die Aufregung steigt, aber proportional leider auch die Angst in mir.

  • Kann ich meine Liebe auf zwei Kinder aufteilen?
  • Werde ich überhaupt eine Bindung zu diesem Baby haben?

Es ist immer noch „das Baby“, ab und zu das männliche Baby. Wir haben keinen Namen (zumindest keinen, auf den wir uns einigen können). Ich spüre seine Bewegungen, ich weiß, er ist da, er ist präsent und ich hoffe, er ist gesund.

Der Versuch, positiv zu denken

Gleichzeitig hoffe ich, dass meine Hormone dafür sorgen werden, dass ich mich in ihn genauso verlieben werde, wie in meinen Sohn vor vier Jahren.

Gefühle kann man nicht an- oder ausschalten. Sie entwickeln sich, hoffentlich.

Und dann ist da noch diese Angst vor dem, was mir nach der Entbindung bevorsteht. Kaum das eine geschafft, stehen die nächsten OPs an.

Nun bin ich noch erkältet, habe Halsschmerzen. Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was mich wirklich beschäftigt.

Ich möchte alles hinter mir haben, mich endlich auf den Sommer freuen, mich auf meinen zweiten, hoffentlich gesunden Sohn einlassen können und mein Lachen wieder finden.

Ich möchte die Elternzeit mit meinem Mann und meiner Familie genießen, dankbar für das Leben und Momente sein können.

Die Angst vor einer Wochenbettdepression oder einem Babyblues, ich schiebe sie weg und versuche Kraft aufzunehmen, die Dinge anzugehen und alles zu überstehen.

Die Hoffnung nicht aufgeben, alles wird gut!

 

 

 

 

 


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