4 Kaiserschnitte, 3 in 3,5 Jahren – eine Mutter im Interview

Veröffentlicht von Mamaleben am

Gabriele hatte 4 Kaiserschnitte und erzählt uns davon. Aus der Reihe „Eure Geschichten – Starke Frauen“. 

Hallo Gabi, schön das du heute dabei bist!

Möchtest du, dass ich die Sectios umgangssprachlich Kaiserschnitte oder Bauchgeburten nenne? Für manche Frauen klingt das Wort Kaiserschnitt so kalt und sie verbinden die Bauchgeburt mehr mit einer selbst bestimmten Geburt.

„Ich hatte 4 Kaiserschnitte und das Wort ist für mich absolut in Ordnung.“

Wie alt warst du bei den Geburten deiner vier Kinder?

„Ich war 23, 25, 26 und 34 Jahre alt“. 

Hattest du dir eine spontane Geburt gewünscht?

„Ja, ich habe beim ersten Kind dafür gekämpft, aber es hat leider nicht geklappt.“

4 Kaiserschnitte – davon 3 in 3 Jahren

Wie kam es dazu, dass dein erstes Kind ein Kaiserschnitt wurde? Magst du den Geburtsverlauf kurz erzählen?

„Das Köpfchen des Babys hatte sich in meinem Becken verklemmt. Die Haare waren zusehen, aber es ging nicht weiter. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, da stimmt etwas nicht. Nach 56 Stunden Dauerwehen kam es zum ersten Kaiserschnitt.“

Nach einer Sectio sollte Frau möglichst ein Jahr warten, bis eine erneute Schwangerschaft bedenkenlos möglich ist. Du hast dich nicht so ganz daran gehalten. Nach wie vielen Monaten nach den Geburten, wurdest du jeweils wieder schwanger?

„Bei den ersten drei Kindern, bzw. nach den ersten beiden Geburten, wurde ich jeweils nach sechs Monaten erneut schwanger.

Du hattest für eine gewisse Zeit „3 unter 3“. Also drei Kinder unter drei Jahren. Zwei unter zwei ist schon eine Herausforderung, aber drei unter drei, puh. Wie hast du die Zeit damals erlebt? Hattest du Unterstützung?

„Heute frage ich mich auch, wie ich das Pensum damals geschafft habe. Einmal die Woche kam meine Mutter zur Unterstützung, aber ansonsten war ich bis zum Feierabend meines Mannes, um 16.30 Uhr allein. Heute würde ich das nicht mehr schaffen.“

Wäre beim zweiten Kind eine VBAC (vaginal birth after sectio), eine natürliche Geburt möglich gewesen?

„Ja, wenn ich darauf bestanden hätte, wären die Ärzte den Weg wohl mit mir gegangen. Aber ich entschied mich für den Kaiserschnitt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass in naher Zukunft Kind Nummer 3 und ein weiterer Kaiserschnitt anstehen werden, geschweige denn, dass ich mal 4 Kaiserschnitte haben werde.“

Die dritte Sectio folgte innerhalb kurzer Zeit und das mit zwei kleinen Kindern zuhause. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung. Als Außenstehenden ist uns oft nicht bewusst, was für ein Kraftakt sowas ist.

„Es ist mir ein Rätsel, wie ich das damals geschafft habe. Einfach nicht denken, sondern funktionieren. Ich hatte zum Glück viele Mütter um mich herum, mit denen ich mich regelmäßig getroffen habe. Das hat mir sehr viel gebracht.“

Wieviel Zeit ist nach dem dritten Kind vergangen, als dir klar wurde, dass du gern noch ein viertes Kind möchtest?

„Sieben Jahre lagen dazwischen.“

Nach 7 Jahren, Baby Nummer 4

Gab es eine Chance auf eine natürliche Geburt?

„Nein. Es war von Beginn an klar, dass es wieder ein Kaiserschnitt wird. Ich hätte beim ersten Kind nie gedacht, dass ich mal 4 Kaiserschnitte haben werde.“

Wieviel Wochen vor dem ET hat der Arzt dein viertes Baby geholt und warum so viel früher?

„Mein Sohn wurde fünf Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin geholt. Alle meine Babybäuche hingen recht tief und drückten auf die Narben. Zum Glück hatte ich bei allen Kindern denselben Arzt. Ich vertraute seiner Erfahrung und er riet zu diesem frühen Termin. Während der OP bestätigte sich sein Verdacht, denn meine Narbe war von innen bereits gerissen. Ich bin ihm sehr dankbar.“

War dir bewusst, wie kritisch es war?

„Nein, das war mir nicht bewusst. Im Nachhinein sicher etwas naiv, sich darüber keine Gedanken gemacht zu haben. Zum Glück ist alles gut ausgegangen.“

Hat dein Sohn das vorzeitige Holen gut verkraftet?

„Es ging so. Er hatte Startschwierigkeiten und brauchte Unterstützung. Direkt im Kreißsaal hatte ich ihn bei mir. Dann kam er in ein Wärmebettchen in ein anderes Zimmer und dann in ein anderes Krankenhaus. Ich habe ihn erst nach zwei Tagen wiedergesehen.“

Wie verlief diese vierte Sectio für dich sowohl körperlich als auch emotional?

„Sie verlief schrecklich, ich hatte Todesangst und es ist bis heute ein Trauma. Ich habe diesen letzten Eingriff emotional kaum ertragen. Der Op-Tisch war so eingestellt, dass mir das Baby auf die Lunge drückte und ich schwer Luft bekam. Ich habe nach einer Vollnarkose verlangt, aber die haben sie mir nicht gegeben. Das Öffnen des Bauches hat schon 45 Minuten gedauert, was ja deutlich länger ist als normal.

Ich sagte ständig, ich sterbe gleich. Keine Ahnung, warum ich so extrem empfunden habe. Als mein Sohn endlich da war, wollte ich ihn nicht auf meinem Oberkörper haben, denn ich dachte, ich sterbe ja gleich. Ich weiß, klingt verrückt. Mein Mann hat ihn dann mit nach draußen zu den anderen Kindern genommen und gewartet, bis ich fertig war. Der Kleine piepste ständig, weil er soviel Stress hatte. Meinen Stress.“

Ab einem gewissen Alter werden wir Frauen vor einer Sectio gefragt, ob wir eine Sterilisation wünschen. Ich wurde bei meinem Kaiserschnitt mit 40 Jahren auch gefragt und war darüber damals sehr irritiert. Du hast dich bewusst dafür entschieden, was wahrscheinlich nach deiner Schilderung der letzten Frage kein Wunder ist. Magst du erzählen, wieso? Und wie fühlst du dich damit?

„Für mich war es die richtige Entscheidung. Ich wollte keine Schwangerschaften mehr, keine weiteren Geburten. Die letzte verlief traumatisch und für mich war das Thema abgeschlossen. Meine Gebärmutter wurde entfernt, ich habe keine Periode mehr. Prima Nebeneffekt.“

Inzwischen sind etliche Jahre vergangen. Drei deiner Kinder sind erwachsen, der Jüngste fast ein Teenager. Wie geht es dir heute nach diesen 4 Sectios? 
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„Die Narbe erinnert mich jeden Tag an die schönen Schwangerschaften und tollen Kinder, die auf diese Art geboren wurden.“

Rückblickend: gibt es etwas, worüber du heute den Kopf schüttelst oder was du dir für die Eingriffe anders gewünscht hättest?

„Die 4 Kaiserschnitte waren alle gut organisiert. Die Ärzte und Schwestern waren super. Es gab Zeiten, da fragte ich mich, wie ich meinem Körper das alles zumuten konnte und wie meine Seele das verkraftet hat. Heute ist alles prima mit den drei erwachsenen Kindern, aber damals…puh, was für eine anstrengende Zeit!“

Möchtest du werdenden Müttern bzw. Eltern, irgendetwas mit auf den Weg geben? Was du für wichtig hältst, was dir geholfen hat, worauf sie für sich alten sollten, irgendetwas?

„Der blödeste Satz, den ich immer wieder höre: Die Kinder lieber schnell aufeinander gefolgt bekommen, dann können sie so schön miteinander spielen. So ein Quatsch. Nehmt euch Zeit für jedes Kind, mindestes zwei bis drei Jahre und trefft euch mit anderen Müttern, die gleichaltrige Babys oder Kinder haben. Ihr glaubt nicht, wie viel Leben mir das damals gebracht hat.“

Vielen Dank für deine Antworten und falls Leser Fragen haben, kannst du sie gern in den Kommentaren beantworten. 


Auf meinem Pinterest Board „Mamaleben – Leben mit Baby und Kleinkind“ findet ihr übrigens alle Beiträge als Pins gebündelt und könnt euch dort durchstöbern.

Gabi hatte 4 Kaiserschnitte, ich war schwanger mit 43, Natascha hat ihr Baby mit 48 Jahren bekommen. Falls auch ihr Geschichten habt, die etwas aus der Norm fallen, meldet euch gern bei mir.

 


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