schwanger für 24 Stunden
Persönliches,  Schwangerschaft,  späte Mutterschaft

Schwanger für 24 Stunden

Schwanger für 24 Stunden sagt sicher schon aus, worum es hier geht. Da es sich um einen sehr persönlichen Text handelt, habe ich eine Weile überlegt, ob ich ihn schreiben soll, denn außer meinem Mann, wusste (bis zu diesem Text) niemand von dieser 24-Stunden Schwangerschaft.
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Eines Abends dieses Jahres, natürlich weiß ich das Datum noch genau, hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. WOW! Das Gefühl schwankte zwischen riesiger Freude sowie Angst und Respekt vor dem, was nun auf uns zukommen sollte. Ein drittes Kind, was für ein Segen. Wer hätte das vor wenigen Jahren noch gedacht.

Ich erzählte es noch am selben Abend meinem Mann und auch er freute sich sehr. Ich sah ihm an, dass auch in ihm sofort das Gedankenkarussell zu rattern begann.

Im Bett kreisten meine Gedanken um sämtliche Dinge, die vielleicht anstehen könnten. Wie machen wir dieses oder jenes rein logistisch mit drei Kindern? Schaffen wir das alles und woran sollten wir schon denken?

Der Große wird dieses Jahr eingeschult, ging noch in die Vorschule, der Kleine besucht keine Kita, wie würde das wohl sein mit 3 Kindern? Den Großen morgens mit zwei kleinen Geschwistern zur Schule zu bringen. Ich weiß noch wie ich mich freute, dass unser Fahrradanhänger für zwei Kinder ausgelegt ist und ich mich drauf freute, beide kleinen Kinder darin sitzen zu sehen. Wie ich mich freute, dass unser Kinderwagen noch in eine weitere Runde gehen darf, genau wie unsere Kindersitze.

Bekommen wir drei Kindersitze in unser Auto? Unser großes Auto, einen 7-Sitzer, hatten wir erst dieses Jahr verkauft und uns wieder verkleinert.

Schwanger für 24 Stunden

Auch der nächste Tag fühlte sich unwirklich an. Ein einziges Mal habe ich durch Zufall, ausgerechnet an diesem Tag, vor einer (fremden) Person ausgesprochen: „Ich bin schwanger“. Als ich in der potentiellen Kita des Kleinen war, um nach einem Platz für ihn zu fragen. „Oh wie schön“, war die Antwort. Leider passte sie am nächsten Tag schon nicht mehr.

Noch am selben Abend setzten Blutungen ein und dazu beschlich mich dieses Gefühl. Ich rief am nächsten Tag meine Praxis an und durfte direkt vorbeikommen. Ein Ultraschall brachte Gewissheit. Die Schleimhaut war bereits dabei, sich abzulösen. Die Schwangerschaft war dabei, sich aufzulösen. Eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft, nichts ungewöhnliches. Erst recht nicht in meinem Alter.

Traurig. All die Gedanken und die kurze Vorfreude, alles weg. Hätte ich nicht zwei Tage vorher den positiven Test in der Hand gehabt, hätte ich nicht gewusst, dass ich schwanger für 24 Stunden war. Ich hätte einfach angenommen, meine Periode kommt eine Woche zu spät.

Da trotz meines Alters, aber alles noch relativ zuverlässig ist, hatte ich diesen Test gemacht. Mein Mann war ebenso traurig und diese Traurigkeit lag für zwei Tage in der Luft. Es gibt Abstufungen von Traurigkeit und diese war zwar da, aber in Maßen. Als wir uns vor über 3 Jahren von unserem Kinderwunsch verabschiedeten, war die Traurigkeit immens. Und plötzlich kam es damals doch noch anders und ich wurde nochmal schwanger mit 43 Jahren.

Die Traurigkeit überschattete dieses Mal nichts, es ging uns gut. Wir schauten unsere zwei gesunden Kinder an und sind dankbar für das, was wir haben dürfen.

Für den Zeitraum eines Wimpernschlags, durften wir angehende 3-fach Eltern sein. „Mama von 3“. Seit mein erster Sohn auf der Welt ist, schwebt das in meinem Kopf herum und auch mein Mann hätte gern ein drittes Kind (gehabt).

Verlust der Schwangerschaft

Ich sehe es nicht als Fehlgeburt an. Ich stelle mich nicht auf eine Ebene mit Eltern, die ihr Kind gehen lassen oder gar still gebären mussten. schwanger für 24 Stunden

Kürzlich schrieb mir eine Mutter eine berührende Nachricht. Sie hat weinend meinen Liebesbrief an meinen Sohn gelesen und ihren im 9. Monat verloren! Ihr könnt sicher nachvollziehen, dass ich mit feuchten Augen solche Nachrichten lese.

Schwanger für 24 Stunden, ja. Ich habe aber weder eine Fruchthöhle gesehen und das Herz hat nie geschlagen. Daher kann ich mit diesem „Verlust“ gut umgehen und auch diesen Beitrag schreiben.

Ich habe kein Baby verloren, sondern eine Schwangerschaft.

Zu einem Kinderwunsch, einer Schwangerschaft oder dem Leben mit Kindern, gehören nicht immer nur die schönen Sachen. Warum sollte man nicht auch über den Verlust einer Schwangerschaft reden? Auch Fehlgeburten werden viel zu selten thematisiert, dabei kommen sie doch so häufig vor.

ü-40 Eltern

Einen faden Beigeschmack gab es beim Arztbesuch. Es war nicht meine eigentliche Ärztin, sondern nur ihre Vertretung. Zuerst die Frage: „Wäre das Kind gewollt gewesen?“

JA – verdammt. Was spielt das für eine Rolle?

„In Ihrem Alter kommen Fehlgeburten relativ häufig vor.“

„In meinem Alter“ weiß ich solche Sachen und was soll mir das sagen? Macht es das besser?

„In meinem Alter“, nämlich mit 40 und 44 Jahren, habe ich zwei gesunde Kinder ausgetragen und er wusste das. Diese Aussage hätte er sich sparen können, aber Ärzte sind sachlich. Und betrachtet man die Statistiken, gehört es quasi dazu.

Mir fällt es nicht schwer, darüber zu sprechen, aber es ist kein Thema für einen Smalltalk, auch nicht innerhalb der Familie.

„Und? Wie geht´s euch so?“

„Gut, danke. Wir waren schwanger für 24 Stunden, aber nun bin ich es nicht mehr.“

Was soll mein Gegenüber darauf erwidern. Solche Sachen erzählt man, wenn es gerade zum Thema passt, aber nicht so zwischendurch.

Liebe Familie, die hier mitliest, seht es uns bitte nach, dass wir nichts erzählt haben. Falls ihr Fragen habt, sprecht uns gerne an.

 

Wer wissen möchte, wer hier schreibt, ihr findet mich bei Instagram.

Bild by Pixabay

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