Muppets

Ein Baby mit 40

Mama mit 40

Klingt irgendwie komisch oder? Mama mit 40. Heute möchte ich euch davon erzählen, wie es ist, mit 40 zum ersten Mal Mama zu werden bzw. geworden zu sein. Eine späte Mama also. Ab wann ist Frau eigentlich „spät“? Wo genau ist der Umbruch von „normal“ zu „spät“? Wer legt das fest?

Janet Jackson ist aktuell schwanger mit ihren 50 Jahren. Ute Lemper bekam ihr 4. Kind mit 47. Ich weiß, wenn man die Zahlen hört, klingt das irgendwie beklemmend.  Ich hatte mir auch mal gesagt „mit 40 möchte ich kein Kind mehr bekommen“. Es kam anders und ich bin sehr dankbar dafür. Ich bin mir inzwischen sogar nicht mal sicher, ob unsere Kinderplanung abgeschlossen ist.

Jede Frau muss doch selber wissen, wie viel Lebenszeit sie noch mit ihrem Kind verbringen möchte. Und manchmal macht das Leben einem ja auch einen Strich durch die Rechnung und Frau hatte einfach keine Chance, vorher eine Mutter zu werden.

Auch für mich ist irgendwo eine Grenze erreicht, bei der ich es nicht mehr „schön“ finde, wenn eine Frau so spät Mutter wird. Nicht aus Sicht der Mutter, sondern aus Sicht des Kindes. Umso älter man bei der Geburt ist, umso früher wird man sein Kind allein in der Welt zurück lassen müssen. Dieser Gedanke macht mich immer sehr traurig. Aber ich hoffe, dass ich genau wie meine Großeltern, über 90 werde.

Spätgebärend – was für ein blödes Wort

Meine eigene Mutter galt vor 40 Jahren mit ihren damals erst 28 Jahren! schon als Spätgebärende. Verrückt oder? Was bin ich dann heutzutage?

Aber heute ist vieles anders. Mütter und Väter sehen mit 40 immer noch „hipp“ aus oder sind „Hipster“, fahren Skateboard, tragen geflochtene Zöpfe, sind einfach jung geblieben. Zumindest fühlen wir uns so. Früher sah man schon mit 30 irgendwie „alt“ aus. Kennt ihr Fotos von euren Eltern oder Großeltern in eurem Alter? Sie sahen doch damals schon älter aus als sie waren oder?

Es hat sich alles irgendwie verschoben. Es heißt, “ das heutige 30 ist das neue 20″. Wenn das auch für 40 und 30 gilt, wäre das ja schön. Dann bin ich also erst 30 😉 schöne Vorstellung. Wen interessiert schon das biologische Alter. Aber ganz so einfach ist es ja leider nicht…

 

Wie kam es dazu, dass ich erst so spät Mama wurde?

  • Als 20 jährige wollte ich keine Kinder!
  • Mit 25 habe ich gesagt, ab 30 kann ich ja mal darüber nachdenken.
  • Die 30 überschritten, habe ich gesagt, ein paar Jahre habe ich ja noch!
  • Mit 35 habe ich gesagt, ich möchte keine Kinder!

Der Gedanke ließ mich aber nie so richtig los. Oft habe ich mich gefragt, ob ich die Entscheidung gegen ein Kind nicht doch bereuen würde. Aber auf der anderen Seite, weiß Frau ja nicht, was sie verpasst?

Mein Mann hat mich geheiratet, obwohl er wusste, dass ich keine Kinder möchte. Das rechne ich ihm hoch an. Das Thema kam dennoch immer mal wieder auf. Als ich dann 38 wurde, haben wir gesagt, wir lassen es einfach mal drauf ankommen. Soll doch das Schicksal entscheiden.

 

Überraschung!

Ein Jahr später war es dann plötzlich soweit. Gerade als ich mir gesagt hatte, wir lassen das jetzt, es soll halt nicht sein. Und dann kam es doch völlig überraschend.  Das die Periode mal ein paar Tage später einsetzt, war inzwischen auch normal. In dem Alter steuert man ja auch langsam auf die Menopause zu und da sind Verschiebungen in den Zyklen ganz normal.

Ich fühlte mich jedenfalls krank und als dann plötzlich die starke Übelkeit dazukam, wusste ich es. Es schoss mir plötzlich in den Kopf und ich wusste es. Irgendwie wollte ich es noch nicht ganz wahrhaben und habe noch eine Woche gezögert, bis ich meine Ärztin für einen Termin anrief. Die bat mich, vorher einen Test zu machen.

Gesagt, getan, positiv!

Am Abend habe ich dann auch meinen Mann darüber informiert, der aus allen Wolken fiel. Es hat eigentlich niemand mehr damit gerechnet. Ich war zu diesem Zeitpunkt ca. 39,5 Jahre alt. In Zahlen klingt das ganz schön alt um zum ersten Mal Mama zu werden….

Die Woche darauf bestätigte mir die Ärztin dann alles. Es war ein merkwürdiges Gefühl. Schon Freude, aber es überrollte mich jetzt auch alles.

Alles wird sich verändern! Babyexpress - ein Junge

  • Verliere ich meine Kunden?
  • Wie läuft das finanziell? Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich kein Geld!
  • Bekomme ich überhaupt Elterngeld?
  • Wo soll das Baby schlafen? In der Wohnung ist nicht genug Platz.
  • Wir brauchen ein weiteres Auto! Smart und Hundemobil reichen nicht.
  • Wovon sollen wir bloß leben?
  • Klappt das mit unseren Hunden?
  • Kann ich eine gute Mama sein? Ich könnte doch schon fast Oma sein….
  • Wie wird mein Umfeld reagieren?
  • Schafft mein Körper das?
  • keine 10 Pferde bekommen mich in einen Geburtsvorbereitungskurs!

Das Umfeld

Wir informierten als erstes die Großeltern. Meine Schwiegereltern waren bereits 4-fache Großeltern. Da ist Enkelkind Nummer 5 nicht mehr ganz so aufregend. Aber es ist das erste ihres Sohnes, also doch irgendwie etwas Besonderes. Ich bin ein Einzelkind und meine Eltern haben nicht mehr damit gerechnet, noch Großeltern zu werden. Die Freude war riesig!

Meine Freunde informierte ich nur, wenn ich diese persönlich traf. Alles andere zögerte ich bis zuletzt heraus. Ich kann nicht erklären, wieso. Einem Freund erzählte ich sogar erst 4 Wochen vor der Geburt von meiner Situation! Nämlich, als er mir zu meinem Geburtstag gratulierte. Meinem 40. Geburtstag! Zum Glück sind Männer nicht nachtragend….

Kunden informierte ich nach und nach über die Situation. Gefreut haben sich wirklich alle für mich. Manche musste ich leider ziehen lassen, andere haben die Pause ohne mich geschafft und sind mir treu geblieben. 

Als endlich alle informiert waren und so gut wie jeder bescheid wusste, ging es mir langsam besser mit der ganzen Situation. Auch die finanzielle Belastung habe ich mit meinem Mann besprochen. Es würde ungewohnt für uns beide werden. Wir haben seit 12 Jahren getrennte Kassen sowie ein gemeinsames Konto. Nun muss ich lernen, mehr von ihm abhängig zu sein und er muss sich damit arrangieren, mehr Kosten zu übernehmen. Das lag mir schon sehr auf der Seele. Aber als auch das geklärt war, fiel mir ein Stein vom Herzen.

Nun konnten wir uns wirklich freuen! Wie wir inzwischen wussten, auf unseren „Mini-Mann“.

Mein Körper mit 40

Mein Körper hat die ganze Schwangerschaft sehr gut mitgemacht. Ich habe weder Dehnungsstreifen, noch Wassereinlagerungen oder Übergewicht nachbehalten. Das alles hat mir schon Kopfzerbrechen gemacht.

Auch wenn Frau stolz sein kann auf die Leistungen ihres Körpers und die eventuellen Dehnungsstreifen mit Würde getragen werden (was bliebe auch anderes übrig), so sehr wünschte ich mir, davon verschont zu bleiben. Und ich hatte Glück. Ich denke, die Gene spielen eine Rolle, die Beschaffenheit der eigenen Haut natürlich und ich glaube, ein großer Vorteil war, dass ich vor der Schwangerschaft recht ordentliche Bauchmuskeln hatte.

Mein Bauch war blieb während der Schwangerschaft recht klein und die Ärztin erklärte mir, dass die Muskeln da durchaus eine Rolle spielen. Sie halten quasi das Wachstum des Bauches nach vorne im Zaum. Und durch den relativ kleinen Bauch ploppte weder mein Nabel noch kamen Streifen ans Licht.

Da soll mal einer sagen, mit 40 sei Frau körperlich zu alt für eine Schwangerschaft!

 

Kurz vor der Geburt

Inzwischen war Winter und die Geburt des Kleinen war nur noch ca. 3 Monate entfernt. Noch ca. 2 Monate arbeiten für mich. Ich war eh nur an 4 Tagen halbtags unterwegs. Daher war das alles noch gut zu schaffen. Mein Bauch war nicht sooo groß. Aber dennoch freute ich mich, als ich die letzten 4 Wochen zuhause genießen durfte.

Der Bauch drückt ja schon sehr, auch auf die Blase und der Rücken schmerzte fürchterlich. Außerdem muss Frau stäääändig Pipi. Nun gab es 4 Wochen Kuschelzeit mit meinen Hunden. Das letzte Mal alleine. Liegen, kuscheln, relaxen, schlafen. Schlafen… was war das nochmal?

Ich wurde genau am 29.2.2016 40 Jahre alt! Ein Schaltjahr UND ein runder Geburtstag. Und das noch auf einem Samstag! Es sollte eigentlich eine große Feier werden, aber ich mochte nicht feiern. Das Sodbrennen machte mir zu schaffen und im Liegen war mir am Wohlsten.

Nach der Geburt

Unser Sohn wurde am 29.3., also genau einen Monat nach meinem 40. Geburtstag, per Wunsch-Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Ich war also bei der Geburt 40 stattliche Jahre alt. Unfassbar!

(M)ein erstes Baby mit 40

Rückenprobleme hatte ich bereits vor der Schwangerschaft. Daher machte mir der Rücken zum Ende hin doch sehr zu schaffen. Ich konnte manchmal kaum aufstehen. Zum Glück war ich vor der Schwangerschaft körperlich und sportlich auf einem guten Niveau. Ich glaube, dass mir das schon sehr geholfen hat. Die Strapazen des Kaiserschnitts haben mein Sohn und ich gut weggesteckt.

Der Stress hinterher, die Gewöhnungsphase, das Kennenlernen, das war schon alles sehr aufregend und schön. Der Schlafentzug macht mir auch heute, nach 7 Monaten, immer noch zu schaffen. Aber ich habe mich gut daran gewöhnt. Die latente Müdigkeit ist weniger geworden.

Ob man als späte Mama bessere oder schlechtere Nerven hat, mehr oder weniger Ruhe, ich glaube, das lässt sich nicht pauschal sagen. Ich behaupte, das hängt vom jeweiligen Charakter der Mutter ab. Ich bin zufrieden und glücklich und das überträgt sich ganz sicher auch auf das Baby. Mein Sohn hat mich „entschleunigt“.

Rückblickend bedauere ich, dass ich nicht 10 Jahre früher schon ein Baby bekommen habe. Dann hätte ich 10 Jahre mehr Lebenszeit mit meinem Sohn gehabt. Aber hätte ich dann DIESEN Sohn bekommen? Genau diesen? Der mich jeden Tag anlächelt und mir damit fast die Tränen in die Augen treibt? Ich denke nicht.

Daher hat alles im Leben seinen Sinn.

Es sollte genau SO sein, zu DIESEM Zeitpunkt, um mir DIESES Kind zu schenken.

Lasst euch nicht von eurer Umwelt entmutigen. Uns fehlen vielleicht ein paar Jahre Lebenszeit am Ende. Aber es bleibt hoffentlich noch genug Zeit, damit auch wir späte Mamas noch eine Chance haben, vielleicht mal unsere Enkel kennen zulernen.

Wenn ihr unsicher seid, ob ihr den Strapazen in „unserem Alter“ noch gewachsen seid, lasst euch gesagt sein:

Ja! Ihr schafft das und jedes graue Haar ist es wert!!


6 thoughts on “Ein Baby mit 40

  1. Toll geschrieben hast du das 👍 Und obwohl erst mein letztes Mäuschen so spät kam, finde ich mich in der ein oder anderen Textzeile wieder. Deine Zeilen machen Mut – derer, die noch überlegen oder zweifeln. Bin gespannt auf deine nächsten Zeilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.